Betriebliches Gesundheitsmanagement

Top-Thema beim IHK-Wirtschaftsgespräch in Unna war Gesundheitsmanagement

„Gesunde Mitarbeiter sind die Basis für wirtschaftliche Erfolge“

An einem ungewöhnlichen, gleichwohl sehr passenden Ort fand das diesjährige Wirtschaftsgespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund statt. IHK-Vizepräsident Andreas Tracz, Geschäftsführer der K&K Networks GmbH, begrüßte die rund 50 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung im Evangelischen Krankenhaus in Unna. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand dabei das Betriebliche  Gesundheitsmanagement (BGM). Andreas Tracz brachte die Bedeutung des Themas in seiner Begrüßung auf den Punkt: „Nur gesunde und motivierte Mitarbeiter bringen ein Unternehmen voran und sind Basis für wirtschaftliche Erfolge.“
Ausführlich widmete sich Tracz der großen Bedeutung der dualen Berufsausbildung. Dieses System hat sich in der Vergangenheit bewährt und als sehr erfolgreiches Instrument der Fachkräftesicherung für die Unternehmen erwiesen. „Allerdings hat das Flaggschiff des deutschen Bildungssystems in den letzten Jahren etwas Schlagseite bekommen“ sagte Tracz. Der Wert einer Berufsausbildung hat in den Augen vieler Jugendlicher und Eltern im Vergleich zur akademischen Ausbildung abgenommen. In der IHK-Region wurden 2016 5.050 neue Ausbildungsverhältnisse eingetragen - ein Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Unna allein war der Negativtrend noch stärker. 327 neue Ausbildungsverträge im Jahr 2016 bedeuten einen Rückgang von 15,5 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.
Um dieser Entwicklung entgegen zu steuern, haben die IHKs zusammen mit dem NRW-Arbeitsministerium die Kampagne „In drei Jahren Weltklasse“ gestartet. Ein anderes Projekt, mit dem Schülerinnen und Schüler zielgruppengerecht angesprochen werden, sind die Ausbildungsbotschafter. „Unsere Botschafter sind Azubis, die in Schulklassen sehr authentisch über die duale Berufsausbildung, ihren Beruf und ihr Ausbildungsunternehmen berichten“, erläuterte Tracz. Von insgesamt 202 Ausbildungsbetrieben in Unna sind sieben Unternehmen seit 2016 dabei, darunter die alphanauten GmbH & Co. KG, die Königsborner Pflegedienst GmbH und die Friedrich Zufall GmbH & Co. KG. Als Dank für ihr Engagement wurden sie mit einer Urkunde ausgezeichnet.
Unnas Bürgermeister Werner Kolter berichtete über die aktuellen wirtschaftlichen sowie politischen Entwicklungen und betonte mit Blick auf das Top-Thema des Tages: „Die Gesundheit der Beschäftigten ist angesichts des demografischen Wandels besonders wichtig. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement ist damit auch eine nachhaltige Investition in die Leistungsfähigkeit von Unternehmen und Verwaltungen.“
Mit Blick auf die im Herbst anstehenden Wahlen zur IHK-Vollversammlung, dem „Parlament der Wirtschaft“, ging IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber auf das ehrenamtliche Engagement der regionalen Wirtschaft ein. „Ohne die freiwillige Beteiligung der Unternehmen gäbe es die IHK in ihrer jetzigen Form nicht. Die Selbstverwaltung der Wirtschaft ist vom Gesetzgeber gewollt, sie hat sich über mehr als 150 Jahre bewährt und hilft den Unternehmen, Kosten zu sparen“, betonte Schreiber, der in diesem Zusammenhang beispielhaft auf die hoheitlichen Aufgaben der IHK im Bereich der dualen Ausbildung und der Zoll- und Exportberatung einging. In der Vollversammlung sitzen 84 Unternehmer aus der Region, um die Interessen der Wirtschaft zu vertreten. Von den insgesamt gut 55.000 wahlberechtigten Unternehmen in der IHK-Region sind 3.200 aus Unna.
Warum die Fachkräftesicherung für Unternehmen zukünftig eine so große Rolle spielen wird, veranschaulichte Michael Ifland, IHK-Geschäftsführer Berufliche Bildung. Der IHK-Fachkräftemonitor prognostiziert für das Jahr 2030 ein Minus von etwa 33.000 Fachkräften in der gesamten Region. Der demografische Wandel führt laut IT.NRW dazu, dass dann allein in Unna deutlich weniger Einwohner als heute leben. „Gleichzeitig wird die Bevölkerung älter, das führt zu einem deutlichen Mangel an Erwerbspersonen“, so Ifland. Ein weiteres Bespiel für den Gesamttrend: Von 2017 bis 2020 wird die Zahl der Schulabgänger in der IHK-Region von 11.600 auf 10.600 sinken. "Das Angebot an Fachkräften lässt sich nur durch einen Mix verschiedener Maßnahmen steigern", sagte Ifland und verwies auf Faktoren wie Zuwanderung, Weiterbildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, längere Lebensarbeitszeit und Gesundheitsprävention für Mitarbeiter.
Ulrich Lensing, Referatsleiter im NRW-Arbeitsministerium für Betriebliche Gesundheitsförderung, zeigte in seinem Vortrag auf, wie hoch der Schaden durch Arbeitsunfähigkeit der Arbeitnehmer ist: 2015 verursachten 587 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage im Bundesgebiet einen volkswirtschaftlichen Verlust an Bruttowertschöpfung in Höhe von 113 Milliarden Euro. „An diesen Zahlen wird deutlich, welch enormes wirtschaftliches Potenzial von den Unternehmen hier gehoben werden kann. Ein gut organisiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement kann krankheitsbedingte Fehlzeiten und Krankheitskosten um bis zu 25 Prozent senken“, sagte Lensing. Die Landesinitiative „Arbeit gestalten NRW“ – an der sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, Sozialversicherungen und IHKs beteiligen –  wirbt in den Betrieben für Betriebliche Gesundheitsförderung.
Katja Hanisch, Koordinatorin für Betriebliche Gesundheitsförderung bei der AOK Nordwest, knüpfte nahtlos daran an, in dem sie Beispiele und Tipps für eine nachhaltige Gesundheitskultur in Unternehmen aufzeigte. Die Vorteile der Betrieblichen Gesundheitsförderung liegen auf der Hand: Gesündere und zufriedene Mitarbeiter sind seltener krank, Qualität und Effizienz der Arbeit nehmen zu und das Unternehmer gewinnt in der Außendarstellung an Attraktivität.
Auch im Evangelischen Krankenhaus (EK) in Unna wird ein besonderer Fokus auf das Gesundheitsmanagement gelegt. Für die rund 700 Krankenhaus-Mitarbeiter hat das BGM-Team um Charlotte Kunert eine Vielzahl von Angeboten. Von der Schuldner- und Suchtberatung bis zum gemeinsamen Aktionstag reicht die Palette. Allein 2016 wurden fast 200 Kollegen beraten und unterstützt. Das Konzept des BGM hat sich mittlerweile herumgesprochen. So wurden beispielsweise die Gesundheitstage der Stadt- und Kreisverwaltung und des Finanzamtes Dortmund/Unna vom BGM-Team des EK Unna mitbetreut. Bei der Sparkasse UnnaKamen hat das Team beratend beim Aufbau des dortigen BGM mitgewirkt.
6. April 2017