Wirtschaftsgespräch im Technopark

Kamen rüstet sich für die Digitalisierung

© IHK zu Dortmund/Claudia Pejas
Das Top-Thema Digitalisierung stand im Mittelpunkt des diesjährigen Wirtschaftsgesprächs, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund rund 50 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in den Technopark Kamen eingeladen hatte. In seiner Begrüßung ging Matthias Muermann, Mitglied der IHK-Vollversammlung und Geschäftsführer der Autohaus Muermann GmbH, zunächst auf die gute wirtschaftliche Lage vor Ort ein. Mit einer Arbeitslosenquote von 8,9 Prozent liegt Kamen unter dem Durchschnitt in der Region (10 Prozent) und weist mit rund 11.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den höchsten Stand seit 30 Jahren auf. Laut aktueller IHK-Konjunkturumfrage schätzen 93 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut oder befriedigend ein. „Unsere Wirtschaft ist internationaler geworden. Insofern ist auch die Exportquote ein Erfolgsmerkmal: In Kamen liegt sie bei 44 Prozent und damit deutlich über dem regionalen Durchschnitt von 36 Prozent“, betonte Muermann.
Im Anschluss gab „Hausherr“ Hubertus Ebbers, Geschäftsführer der Technopark Kamen GmbH, spannende Einblicke in die Arbeit des Technologie- und Gründerzentrums. Vor 23 Jahren auf dem 34 Hektar großen Areal der ehemaligen Zeche Monopol entstanden, nutzen Existenzgründer und technologieorientierte Dienstleistungsunternehmen die Büroräume und den kreativen Freiraum vor Ort, um sich zu entwickeln und zu expandieren. Aktuelle Entwicklungen für die regionale Wirtschaft skizzierte danach in seinem Vortrag auch IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber.
Mit Blick auf die im Herbst anstehenden Wahlen zur IHK-Vollversammlung, dem „Parlament der Wirtschaft“, ging er auf das ehrenamtliche Engagement der regionalen Wirtschaft ein. „Ohne die freiwillige Beteiligung der Unternehmen gäbe es die IHK in ihrer jetzigen Form nicht. Die Selbstverwaltung der Wirtschaft ist vom Gesetzgeber gewollt, sie hat sich über mehr als 150 Jahre bewährt und hilft den Unternehmen, Kosten zu sparen“, betonte Schreiber, der in diesem Zusammenhang beispielhaft auch auf die energiepolitischen Aktivitäten der IHK einging. So hat die IHK maßgeblich an der bundesweit diskutierten Studie Energiewende in Deutschland – Perspektiven für Industrie & Gewerbe“ mitgearbeitet und das Energieeffizienz-Netzwerk „gr-EEN Westfalen-Ruhr“ ins Leben gerufen.
Die duale Berufsausbildung gilt als Rückgrat des wirtschaftlichen Erfolgs der Unternehmen. Auch 2016 konnte die IHK mehr als 5.000 neue Ausbildungsverträge verzeichnen. Stefan Schreiber bedankte sich bei allen Ausbildungsbetrieben in Kamen und zeichnete stellvertretend für alle Betriebe zwei Unternehmen aus, die 2016 mit der Ausbildung junger Menschen begonnen haben: die KOMSA NordWest GmbH und die Dr. Pipe Dortmund GmbH.
Die digitalen Herausforderungen der Kommune zeigte danach in ihrem Vortrag die Beigeordnete und Wirtschaftsförderin Ingelore Peppmeier auf. „Die Versorgung der Kamener Wirtschaft mit der notwendigen Infrastruktur ist eine wichtige Aufgabe für die Stadt Kamen. Eine zeitgemäße Wirtschaftsförderung muss bei der Vermarktung von Gewerbeflächen heutzutage darauf achten, dass auch leistungsfähige Breitbandanschlüsse angeboten werden.“
Mit diesen Ausführungen gelang ihr die ideale Vorlage für Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH. Dieser sprach über die vielfältigen Angebote des neuen Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums „Digital in NRW“ in Dortmund, das den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Region beim Thema Digitalisierung als kompetenter Partner und Ratgeber seit einem Jahr zur Seite steht. Auch die IHK bringt sich bei diesem Thema stark ein. „Die Anforderungen der Digitalisierung machen auch vor kleinen Betrieben nicht halt. Das Thema ist zwar überall präsent, unklar ist jedoch oft, wo genau die Potenziale schlummern und wie Veränderungen umgesetzt werden sollen“, sagte IHK-Regionalbetreuer Stefan Peltzer. Aus diesem Grund bieten die IHK, die Stadt Kamen und der Technopark Kamen am 10. Oktober für Kamener Betriebe einen kostenlosen Informations- und Beratungstag am Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 in Dortmund an.
In der abschließenden Podiumsdiskussion „Alles nur heiße Luft, oder ist die digitale Revolution in vollem Gange?“ wurde das Thema Digitalisierung noch einmal praxisnah erörtert. Moderator Stefan Peltzer befragte dazu Achim Dries, Geschäftsführer der Paul Vahle GmbH & Co. KG, Johannes Deutsch, stellvertretender Betriebsleiter der SAZ Stahlanarbeitungszentrum Dortmund GmbH & Co. KG, Bürgermeister Hermann Hupe sowie Hubertus Ebbers und Thorsten Hülsmann.
16. Mai 2017