„Unsere Wirtschaft meistert bislang alle Herausforderungen“

IHK zu Dortmund legt Jahresbericht für 2016 vor

Positive Konjunkturnachrichten hatte Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, bei der Vorstellung des IHK-Jahresberichts für 2016 im Gepäck. Die Unternehmen in Dortmund und Hamm sowie dem Kreis Unna zeigen sich gegenwärtig in einer guten Verfassung. „In unruhigen Zeiten meistert unsere Wirtschaft bislang alle Herausforderungen“, sagte Dustmann. Dies verdeutlicht die aktuelle Konjunkturumfrage, an der sich im März 480 Unternehmen aus der IHK-Region beteiligten. Gut 93 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre derzeitige Lage als gut oder befriedigend – gegenüber der Vorjahresumfrage nur ein Minus von einem Prozentpunkt. „Das ist in einer Zeit, in der der globale Freihandel und die Exportwirtschaft unter Druck geraten, ein hervorragender Wert“, betonte Dustmann. Auch beim Blick in die nahe Zukunft sind die Unternehmen sehr optimistisch: 93 Prozent der Betriebe gehen von einer gleichbleibenden oder besseren Entwicklung in den kommenden Monaten aus.
In dieses positive Bild passt auch, dass sich im Berichtsjahr die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im IHK-Bezirk um fast 11.000 auf gut 400.000 (ein Plus von rund drei Prozent) erhöht hat. „Wir sind zuversichtlich, dass sich dieser Trend verfestigt. Immerhin möchte fast jeder fünfte Betrieb die Zahl der Beschäftigten aufstocken.“ Nur acht Prozent wollen die Belegschaft reduzieren, die große Mehrheit von über 70 Prozent hält die Zahl der Mitarbeiter stabil.
Relativ stabil zeigt sich auch Lage auf dem Ausbildungsmarkt. 2016 konnte die IHK zum sechsten Mal in Folge mehr als 5.000 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse verzeichnen. „Unser Dank gilt den Unternehmen, die sich so stark in der Ausbildung junger Menschen engagieren. Für die Betriebe ist es sinnvoll und wichtig, die Fachkräfte von morgen im eigenen Haus auszubilden“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. Allerdings ist die Zahl der Verträge um drei Prozent rückläufig – ein Minus von 158 Verträgen gegenüber 2015. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits nimmt die Zahl der Bewerbungen in Branchen mit einem schlechten Image ab, andererseits berichten die Ausbildungsbetriebe über unzureichende Leistungen der Bewerber in den Einstellungstests. Die IHK beteiligt sich deshalb an zwei Projekten auf Landes- und Bundesebene, bei denen es um die passgenaue Vermittlung von Bewerbern für die angebotenen Ausbildungsplätze geht. Zusätzlich wurde das Projekt „Ausbildungsbotschafter“ ins Leben gerufen. Ausbildungsbotschafter sind junge und engagierte Azubis, die aus den Betrieben in die Schulen geschickt werden, um über ihren Alltag und die Vorzüge einer dualen Berufsausbildung zu berichten.
Beim Thema Außenwirtschaft berichtete Präsident Dustmann von großer Zuversicht bei den Unternehmen. „Der Export ist und bleibt ein wichtiger Eckpfeiler für den Erfolg – das gilt auch in Zeiten, in denen sich die gewohnten Rahmenbedingungen verändern“, sagte Dustmann. Mit dem Brexit sind auch für die Unternehmen aus der IHK-Region spürbare Einschränkungen im Warenverkehr zu erwarten. In einer DIHK-Umfrage geben 43 Prozent der befragten Unternehmen an, dass ihr Geschäft in Großbritannien im laufenden Jahr schlechter laufen wird. Ein Rückzug von der britischen Insel kommt für die meisten Unternehmen (94 Prozent) allerdings nicht in Betracht. „Großbritannien ist mit einem Volumen von über 13 Milliarden Euro der drittwichtigste Exportmarkt der NRW-Wirtschaft. Die Handelsbeziehungen sind über Jahrzehnte gewachsen und werden trotz Brexit nicht einfach aufgegeben. Aber natürlich nehmen die Unternehmen andere Märkte verstärkt ins Visier.“
Kompensiert werden die Probleme beispielsweise direkt vor der Haustür. 71 Prozent der befragten Unternehmen aus der IHK-Region schätzen ihre aktuelle Lage in der Eurozone als gut ein. Perspektivisch gehen 25 Prozent der Exporteure davon aus, dass die Lage im laufenden Jahr noch besser wird. „Die Unternehmen aus der IHK-Region sind international breit aufgestellt und sehr robust. Exportrückgänge in Krisenregionen werden größtenteils anderswo aufgefangen“, so Dustmann.
Stefan Schreiber nutzte die Vorlage des Jahresberichts, um erneut die Notwendigkeit des B1-Tunnels zu betonen. Der neue Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt 25 Projekte aus der Region mit einem Gesamtvolumen von 2,9 Milliarden Euro. „Die Einstufung des B1-Tunnels ist enttäuschend. Aus dem Planungsrecht muss Planungspflicht werden, damit Wirtschaft und Anwohner nicht noch weitere 30 Jahre auf die Realisierung warten müssen“, so Schreiber. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Stickstoffdioxid-Konzentration entlang der B1 auf Dortmunder Stadtgebiet. Zukünftig nur noch Fahrzeugen mit der höchsten Emissionsklasse (Euro VI-Norm) die Durchfahrt zu erlauben, hält Schreiber für den falschen Weg. „Damit sperrt man 97 Prozent der Lkw, 80 Prozent der Busse und einen großen Teil der Pkw aus – und große Teile der Dortmunder City müssen ohne die gewohnte Versorgung auskommen.“
Unter Federführung der IHK zu Dortmund haben die IHKs in Nordrhein Westfalen 2016 die Studie „Energiewende in Deutschland – Perspektiven für Industrie & Gewerbe“ in Auftrag gegeben. Analysiert wurde, wie ein Energiepreissystem aussehen sollte, das den politischen Anforderungen für die Energiewende genügt und gleichzeitig der Wirtschaft größtmögliche Chancen bietet. „Für die Industrie ist es wichtig, Sonnen- und Windenergie in Zeiten günstigen Stroms zu nutzen, ohne dass der Gesamtstrompreis durch Netzentgelte, Steuern und Umlagen massiv verteuert wird. So wie wir die Energiewende heute gestalten, verschenken wir jährlich 10 Milliarden Euro Wertschöpfung. Statt Maschinen oder Autos zu produzieren, wird der Strom nicht genutzt oder für wenig Geld ins Ausland verkauft“, erläuterte Schreiber.
Als Ratgeber der Unternehmen hat die IHK 2016 ein Energieeffizienz-Netzwerk ins Leben gerufen und bereitet für 2017 das Projekt Energie-Scouts vor, bei dem Azubis in ihren Betrieben Energieeinsparpotenziale aufdecken sollen.
Abschließend kam Heinz-Herbert Dustmann auf die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die IHK-Arbeit zu sprechen. „Die Selbstverwaltung der Wirtschaft hat sich seit mehr als 150 Jahren bewährt und hilft den Unternehmen, Kosten einzusparen.“ Das Thema Ehrenamt wird in vielen Unternehmen groß geschrieben, wie die Konjunkturumfrage zeigt. Mehr als jeder zweite Betrieb (57 Prozent) engagiert sich in dieser Hinsicht, davon sind 63 Prozent im sozialen Bereich tätig, aber immerhin auch gut 37 Prozent im wirtschaftlichen Bereich. „Im Herbst wählen die Unternehmen die neue IHK-Vollversammlung und ich wünsche mir eine rege Wahlbeteiligung“, sagte Dustmann.

Zum Bericht der IHK zu Dortmund:
Auf rund 70 Seiten fasst der Bericht die wichtigsten Ereignisse und Themen der IHK-Arbeit des Jahres 2016 zusammen. Der Bericht kann bei Mara Herzberg (E-Mail: m.herzberg@dortmund.ihk.de) bestellt oder im Downloadbereich heruntergeladen werden.
5. April 2017