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Benny Fusillo (Link: http://www.bennyfusillo.de)
„Vernetzte Welt“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung des Dortmunder Künstlers Benny Fusillo, die in der Reihe „Kunst in der IHK“ bis zum 27. April 2012 in der Industrie und Handelskammer (IHK) zu Dortmund gezeigt wird.
Die Präsentation in den Räumen der IHK verdeutlicht die Pole, zwischen denen sich die Arbeiten Benny Fusillos entfalten. Auf der einen Seite die Welt der modernen Technologien in utopischen Szenarien, auf der anderen Seite das Dasein in einer paradiesisch-entrückten Idylle. Die Werke, die den Besucher im Foyer und im Erdgeschoss des Hauses empfangen, offenbaren die gedankliche Rotationsachse, um die sich das Werk Fusillos dreht. Es geht um die Hinterfragung unserer technologisierten Gesellschaft, insbesondere um das Thema der Vernetzung, was auch im Titel der Ausstellung anklingt. Und es geht um den zukünftigen Stellenwert des Menschen innerhalb dieses Systems.
© Oliver Schaper
Zoom
Die permanente Erreichbarkeit an fast jedem Ort der Welt dank Handy und Internet hat sich längst als Fluch und Segen gleichermaßen erwiesen. Sie ist keine Option mehr, sondern Verpflichtung, mit allen Vor- und Nachteilen. Während die Möglichkeit der Handyortung, zumindest in der jüngeren Generation, noch als technische Spielerei durchgeht, warnen Datenschützer bereits vor dem Missbrauch von Satellitenortungsverfahren und der damit einhergehenden Einschränkung von Persönlichkeitsrechten. Die Vernetzung von Informationen beispielsweise von Überwachungskameras im öffentlichen Raum mit dem GPS-System eines Autos ermöglicht die Erstellung von Bewegungsprofilen. Werden dann noch Gespräche und Emails abgefangen, wird der Mensch zum gläsernen Bürger in einem Überwachungssystem. Diese Systeme entwickeln sich in einer rasanten Geschwindigkeit und sind mittlerweile so komplex und intelligent, dass ihnen Grenzen gesetzt werden müssen.
Benny Fusillo nimmt solche Entwicklungen sensibel wahr und spielt deren Konsequenzen auf unsere Lebenswirklichkeit in utopischen Szenarien durch. Mit Interesse verfolgt er die Möglichkeiten und Auswirkungen auch der so genannten „künstlichen Intelligenz“. Wo wird uns der technologische Fortschritt noch hinführen? Wie wird sich die Rolle des Menschen ändern, bleibt er weiterhin Entwickler und User? Oder kommt es möglicherweise zu einer Verselbstständigung der künstlichen Intelligenz, so dass uns die Macht über die von uns selbst entwickelten Systeme entgleitet?
In der der Arbeit „Konspirative Tafelrunde im Robotermilieu“ versammeln sich merkwürdige Gestalten, deren Kopf an einen gestanzten Informationsträger erinnert, an einem Round table. Sie führen Regie, nehmen die Dinge selber in die Hand, nutzen ihre auf künstlichem Wege erworbenen Fähigkeiten und ihr Wissen zum selbstbestimmten Handeln. Eine verkehrte Welt, die ohne Zutun des Menschen funktioniert.
Buchstäblich auf den Kopf gestellt ist die Welt in dem Diptychon „Der Roboter und seine Galaxie“, das sich in der Sphäre abspielt, die schon immer den passenden Rahmen für Zukunftsszenarien lieferte: das Weltall. Ein Roboterähnliches Wesen hat den Boden der Tatsachen verlassen und schwebt nun in der Schwerelosigkeit des Raums. Wie ein Relikt aus grauer Vorzeit erscheint der analoge, rückwärts abspielende Plattenspieler; ein in Anbetracht der Unermesslichkeit der Galaxie, die er beschallt, zudem absurdes Unterfangen. Fusillos Überlegungen richten sich auch über die Grenzen unseres Heimatplaneten hinaus. Er thematisiert nicht nur die Entstehung unseres Planeten, sondern hinterfragt auch den Status der Erde innerhalb des Universums mit seinen Galaxien; gibt es womöglich noch andere bewohnte Planeten?
Ein Stockwerk höher begegnen dem Betrachter ganz andere Werke, die einen thematischen und technischen Gegenpol bilden. Während bei den bisherigen Arbeiten technische Einzelteile, mitunter auch Elektroschrott, in einem Collageverfahren in die Werke integriert wurden, sind die Arbeiten in der oberen Etage rein aus Spachtelmassen gebildet. Die in ihrer Materialität oft sehr massiv wirkenden Bildträger zeigen menschenartige, gleichzeitige fremdartige Wesen. Es handelt sich um Mischwesen von Mensch und Tier, deren auffälligstes Merkmal der Kopf ist. Er ist mutiert, gleicht mal einem Schnabel, mal einem Fühler oder einem archaisch anmutenden Tentakel. Diese verzauberten, entrückten Bildwelten erscheinen wie die emotionale Gegenwelt zu den von rationalen Überlegungen geprägten Arbeiten im Erdgeschoss. Benny Fusillo führt in seinen Arbeiten die Antipoden Kunst und Technik zusammen. Der utopische Charakter vieler seiner Werke ist nicht etwa eine Flucht vor dem Hier und Jetzt, im Gegenteil. Benny Fusillo erschließt neue Horizonte, in denen Gestalt annehmen darf, was heute noch unvorstellbar erscheint, und in einer Zeit der sprunghaften Beschleunigung vielleicht schneller Realität wird als erwartet.
Die Ausstellung in der IHK kann montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 15 Uhr besucht werden.
9. Februar 2012
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