„Dieses jährlich stattfindende Treffen hat sich zu einer wichtigen Plattform der Begegnung entwickelt.“ Mit diesen Worten begrüßte Ulrich Halbach, Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, die Gäste des IHK-Wirtschaftsgesprächs in Schwerte. Rund 60 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren am 8. Juni in das Restaurant Freischütz gekommen. Halbach machte neugierig auf Neuigkeiten aus Schwerte und analysierte kurz die konjunkturelle Situation im IHK-Bezirk: „Im Westfälischen Ruhrgebiet mit den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna erweist sich der Aufschwung als erstaunlich robust. Der Konjunkturmotor läuft auf vollen Touren.“
Nach der Einleitung Halbachs übernahm IHK-Vollversammlungsmitglied Martin Kolöchter die Moderation des Wirtschaftsgesprächs. „Bürgermeister Heinrich Böckelühr dürfte die Entwicklung in der Ruhrstadt in der Vergangenheit nicht uneingeschränkt erfreut haben.“ Die Kommunen stünden finanziell immer mehr mit dem Rücken zur Wand. Dieses resultiere auch daraus, dass der Bund ihnen immer neue Aufgaben übertragen habe, ohne für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen. Die Gemeinden und Städte brauchten dringend neue Möglichkeiten bei der Haushaltsgestaltung. Die Gewerbesteuer in ihrer jetzigen Form sei sicherlich nicht mehr das geeignete Instrument, um die richtigen Antworten auf die sich stellenden Fragen zu geben. Hier bedürfe es neuer Ansätze. „Ob es ein höherer Anteil an der Mehrwert- oder Lohnsteuer ist, ist letztendlich egal. Die Kommunen benötigen aber dringend wieder größere Planungssicherheit“, bereitete Kolöchter dem Bürgermeister den Boden für dessen Vortrag mit dem etwas provozierenden Titel „Schwerte - Sperrbezirk für fromme Wünsche“.
Böckelühr machte deutlich, dass der Spielraum für Investitionen weiterhin eng bleibe. Zwar könne man mit einem geringeren Defizit rechnen, dennoch bleibe die Hauhaltssituation weiterhin angespannt. Obwohl die Wirtschaft wieder besser laufe, könne voraussichtlich erst im nächsten Jahr wieder mit höheren Gewerbesteuereinnahmen gerechnet werden. Er kündigte an, dass die Stadt sich weiter profilieren müsse. Hierzu werde man gemeinsam mit einem Münsteraner Büro ein Standortmarketingkonzept erarbeiten. Erste Ergebnisse seien jedoch nicht vor September zu erwarten.
IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz unterstrich die Attraktivität der Ruhrstadt: „Schwerte bietet für die Unternehmen Standortvorteile, die sich auch in einem überregionalen Vergleich sehen lassen können.“ Hierfür spreche auch die kontinuierlich steigende Zahl an Unternehmen in den vergangenen Jahren. Der mit knapp 36 Prozent hohe Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im produzierenden Gewerbe belege zudem die unverändert hohe Bedeutung dieses Sektors – auch für Schwerte. Insofern müsse jetzt alles dafür getan werden, dass die Energiewende in den kommenden Jahren wirtschaftsfreundlich ausgestaltet wird. Auf dem schmalen Pfad zwischen unternehmerischen Chancen und gesamtwirtschaftlichen Risiken müsse die Politik für optimale Rahmenbedingungen sorgen. Selbstverständlich gebe es keine Alternative zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. „Doch wenn Luft vorhanden ist, sollte die Gewerbesteuer, die in Schwerte zuletzt erhöht wurde, durchaus gesenkt werden", forderte der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Über die regionale Entwicklung im Einzelhandel referierte IHK-Geschäftsführer Ulf Wollrath. So sei die Verkaufsfläche bei Betrieben mit mehr als 650 Quadratmetern im Zeitraum von 2001 bis 2009 um 13,8 Prozent gestiegen und liege damit etwa auf dem Niveau der Nachbarstadt Dortmund. „Doch die Konkurrenz schläft nicht“, ergänzte Wollrath. Die Rathaus-Galerie in Hagen und Thier-Galerie in Dortmund schickten sich an, starke Mitbewerber um die Gunst der einkaufenden Bevölkerung zu werden. Ähnliches gelte für den Dortmunder Stadtteil Hörde nach dessen Aufwertung durch den Phoenix-See und das Borsig-Center in Holzwickede. Aber: „Schwerte ist hinsichtlich des Kaufkraftniveaus Spitzenreiter im IHK-Bezirk“, lobte Wollrath den Standort. Er empfahl, das City-Marketing zu intensivieren, das Einzelhandelskonzept fortzuschreiben und einen Masterplan Einkaufs-City zu erarbeiten.
Im Anschluss stellt Jutta Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Becker & Fleer GmbH, den Verein Unternehmen.Starkes.Schwerte (US-2) e. V. in ihrem Vortrag „Starke Unternehmen sind vernetzt“ vor. Er wurde am 1. Mai 2009 gegründet und fördert die Kommunikation der Unternehmen untereinander, unterstützt aber auch die zwischen Institutionen und Unternehmen. Aus diesem Grund sind auch die Wirtschaftsförderung, die Agentur für Arbeit und die ARGE mit im Boot. Weiterhin setzt sich der Verein für die Interessen der Schwerter Wirtschaft, aber auch für den Standort Schwerte ein und versucht Probleme schnell, spontan und geradlinig zu lösen sowie das zentrale Thema „Arbeit“ in den Vordergrund zu stellen.
8. Juni 2011