IHK-Wirtschaftsgespräch am 10. März
Die wirtschaftliche Abwärtsentwicklung wird auch vor Kamen nicht
Halt machen. IHK-Vollversammlungs-Mitglied Dr. Dieter Kurras warnte
beim traditionellen Wirtschaftsgespräch der IHK zu Dortmund vor
einer pauschalen Schwarzmalerei. Zu differenziert sei das Bild in
den verschiedenen Branchen. Die konjunkturelle Situation stelle
sich derzeit sehr differenziert dar. Während das
Dienstleistungsgewerbe durchaus noch zufriedenstellende Ergebnisse
erziele, sei die Industrie in ein regelrechtes Tal abgesackt. Eine
Reihe von größeren Unternehmen, insbesondere um die Bereiche
Autozulieferung und Stahlverarbeitung arbeiteten entweder kurz oder
hätten sogar schon Personen entlassen müssen.
„Die Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Ausmaß bislang noch
nicht endgültig zu fassen ist, wird sich in erheblicher Weise auf
die finanzielle Situation der Kommunen auswirken”, so Bürgermeister
Hermann Hupe. „Dies betrifft auf der Einnahmeseite die Einkommens-
und Gewerbesteuer, auf der Ausgabenseite wird durch höhere
Arbeitslosigkeit eine deutliche Steigerung der Sozialausgaben zu
verzeichnen sein. Wegen der zeitversetzten Auswirkungen der Krise
ist eine Quantifizierung derzeit nicht möglich. Das Konjunkturpaket
II der Bundesregierung versetzt die Kommunen in die Lage, innerhalb
dieser Krise als agierende Kraft aufzutreten und einen Beitrag zur
aktiven Belebung der Volkswirtschaft zu leisten.”
Ein klares Bekenntnis zur Industrie forderte
IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz beim Wirtschaftsgespräch
in Kamen. Heute seien old economy und Zukunftsfähigkeit keine
Gegensätze mehr. Industrie sei heute Fortschrittsmotor und
Impulsgeber für die Region. Um sich weiter entwickeln zu können,
brauche die Industrie aber ein klares Bekenntnis der Politik zu
Produktionsstandorten. Planungssicherheit für heimische Flächen
genieße damit oberste Priorität. Die gerade gewonnene
Wettbewerbsfähigkeit der Industrie dürfe nicht wieder leichtfertig
aufs Spiel gesetzt werden. Zum Wiederanstieg der industriellen
Wertschöpfung haben insbesondere die klassischen Branchen wie der
Maschinen- und Anlagenbau, die Automobilindustrie, die
Elektrotechnik und die Chemieindustrie, aber auch neue
Industriebereiche wie die IuK-Industrie und die Biotechnologie
beigetragen. Auch in Kamen gebe es diese Vorzeigeunternehmen.
Schulz nannte beispielhaft 3M, das Kaltwalzwerk Gülde, Vahle, Adolf
Hüls Metallwarenfabrik und Ro-Ber Industrieroboter.
In seinem Referat „Die Wirtschaft im Visier fremder
Nachrichtendienste – Wie können Sie Ihr Know-how schützen?” machte
Wilfried Karden, Innenministerium des Landes NRW, deutlich, dass
bereits rund 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland den Verdacht
auf Spionage und Informationsabfluss hegen. Er nannte nicht nur die
Auftraggeber für Industriespionage und deren Methoden, sondern gab
auch Tipps, wie Unternehmen ihr wertvolles Know-how schützen
können.
Im weiteren Verlauf des Wirtschaftsgesprächs stellte Dr.
Hans-Gerd Severin das Unternehmen Ro-Ber Industrieroboter GmbH vor.
Gegründet wurde es am 15. Juni 1983 in Berlin. Es war damals die
Zeit der „Technologieorientierten Gründerunternehmen” und von
„Venture Capital”. 1991 zog das Unternehmen von Berlin nach Kamen.
Dank der Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung des Kreises
Unna wurde in Kamen bald eine neue Halle bezogen und voller
Optimismus ein Neuanfang gestartet. Heute hat Ro-Ber insgesamt rund
50 Mitarbeiter, vorwiegend mit ingenieurtechnischer Ausbildung und
gehört zu den Marktführern für spezialisierte Portalroboter in der
Materialflussautomatisierung.