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PRESSEMELDUNG

Kandidatenkür beim IHK-Wirtschaftsgespräch (19.03.2009)

Gröblinghoff: „Der Staat ist kein Unternehmer.”

„Der Staat ist auf Dauer kein guter Unternehmer.” IHK-Vollversammlungs-Mitglied Markus Gröblinghoff nahm beim traditionellen Wirtschaftsgespräch der IHK zu Dortmund kein Blatt vor den Mund. Zwar wirke der Staat gegenwärtig stabilisierend und damit vertrauensbildend. „Das darf aber nicht dazu führen, dass der Grundsatz –Privat vor Staat– auf den Kopf gestellt wird”, stellte Gröblinghoff vor rund 60 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in der Gaststätte „Haus Timmering” klar.

Die Wirtschaftsflaute mache allerdings auch vor den hiesigen Unternehmen nicht Halt. „Die Konjunktur hat sich deutlich abgekühlt”, zitierte das Vollversammlungsmitglied aus einer aktuellen IHK-Umfrage. Dabei stehe die Wirtschaft in Bönen auf einem robusten Fundament. Die Zahl der IHK-zugehörigen Unternehmen ist im Vergleich zum Vorjahr um 53 auf 711 gestiegen und die der Arbeitslosen um 81 auf 757 gesunken. Lediglich die Zahl der neueingetragenen Ausbildungsverhältnisse ging leicht von 136 auf 127 zurück.

Über die politische und insbesondere die wirtschaftliche Lage drehte sich die Diskussion der drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt, die von IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz geleitet wurde. Amtsinhaber Rainer Eßkuchen (SPD) sprach sich dafür aus, Bönen in den Bereichen Arbeiten, Einkaufen, Wohnen sowie Freizeit und Naherholung weiterzuentwickeln und „die derzeitige Spitzenstellung im Kreis Unna zu festigen”. Er wolle sich in der kommenden Legislaturperiode für die Schaffung 9.000 neuer Arbeitsplätze und rund 600 Ausbildungsplätze einsetzen. Eßkuchen bekannte sich eindeutig zum heimischen Steinkohlebergbau. Grund- und Gewerbesteuern wolle er bis 2015 nichterhöhen. Dem demographischen Wandel müsse man mit einer angepassten Siedlungsstruktur sowie optimierten Schienen- und Busverkehren begegnen. „Kinder und ältere Menschen gehören in die Mitte”, betonte der amtierende Bürgermeister. 2014 solle es für jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Betreuungsmöglichkeit geben. Bei den Gemeinschaftsstadtwerken werde er darauf hinarbeiten, den Anteil erneuerbarer Energien um mehr als 20 Prozent zu steigern.

Auf das Thema Ökologie setzt Dr. Udo Becker, Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Bislang werde die Ökologie nicht als Chance gesehen, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern eher als ein Anhängsel der Ökonomie. Jeder Arbeitsplatz sei wichtig, doch sollten immer solche den Vorrang haben, die den Arbeitnehmern ein Auskommen sichern. Nur durch nachhaltige Planung könne auf Dauer die Zukunft Bönens als handlungsfähige Gemeinde gesichert werden. Außerdem müssten die einzelnen Ortsteile gestärkt werden. Dazu zählten auch die Bereiche der östlichen und westlichen Bahnhofstraße. Hier habe der Handel wachsende Probleme, sich zu behaupten. Den Einzelhändlern müssten Anreize geboten werden, ihre Läden weiterhin zu betreiben und neue einzurichten. Es dürfe hier keine Leerstände geben. Dafür brauche man Stadtmarketing oder ein kommunales Management. In die Planungen müssten die Bürger frühzeitiger und stärker mit eingebunden werden. „Nicht die Bürger haben zum Rathaus zu kommen, sondern das Rathaus zu den Bürgern”, regte Becker eine größere Offenheit bei allen Entscheidungen in der Verwaltung an.

Doris Cyplik, Bürgermeisterkandidatin der CDU, sieht Bönen im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte gut aufgestellt. Niedrige Gewerbesteuer- und Grundsteuersätze sowie das Vertrauen der Unternehmer und Existenzgründer sprächen für sich. Hierbei spiele die A 2 und die gute Erreichbarkeit Bönens eine große Rolle, auch wenn sie sich einen zweiten Autobahnanschluss gewünscht hätte. Die Gewerbeentwicklung sollte maßvoll sein und dabei die festgesetzten Grenzen nicht überschreiten. Cyplik sprach sich für eine schlanke personelle Ausstattung in den Bereichen der Verwaltung aus. Man müsse vorausschauend agieren, um die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit im Gemeindehaushalt beibehalten zu können. Für die einzige Kandidatin um das Bürgermeisteramt ist Familienpolitik Standortpolitik. Sie wolle die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Tagesbetreuung von Kindern in Kitas und Ganztagsschulen seien da nur einzelne Module dieser Maßnahmen. Die Schullandschaft Bönens sei gut aufgestellt. Die Ganztagsprojekte an den weiterführenden Schulen hätten ihre Unterstützung, außerdem begrüße sie den Ausbau der Betreuung unter Dreijähriger.

Trotz unterschiedlicher Auffassungen gab es aber auch Gemeinsamkeiten. IHK-Hauptgeschäftsführer Schulz fasste zusammen, dass zwar nicht alle Kandidaten eine angebotsorientierte Flächenpolitik und eine offensive Baulandgestaltung für sinnvoll erachteten. Aber alle wollten in die Infrastruktur investieren, Leitprojekte entwickeln und Bönen attraktiver gestalten. „Allen ist bewusst, dass eine gute Wirtschaftspolitik die beste Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist”, resümierte Schulz.

Die Scientology Organisation war Thema des Vortrags von Dirk Ritter-Dausend vom NRW-Innenministerium. Seit 1997 stehe sie im Blickfeld des Verfassungsschutzes. Scientology verfolgt das ideologische Ziel, die Führung der Gesellschaft zu übernehmen, somit bestrebe die Organisation auch die Infiltration von Staat und Wirtschaft. Gefährlich würde Scientology vor allem dann für Unternehmen, wenn es der Organisation gelingen sollte, mit ihm enge Verbindungen aufzubauen oder es sogar zu unterwandern. Das Bekanntwerden könne die Reputation des Unternehmens ruinieren und schlimmstenfalls zu dessen Insolvenz führen. Die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes biete hier im Rahmen ihres Wirtschaftsschutzprogramms Ansätze für einen wirksamen Unternehmensschutz.

Damit die nächste Betriebsprüfung ohne Beanstandung über die Bühne geht, hatte Dirk Schulte-Uebbing, Geschäftsführer der DOSU Treuhand GmbH Westfalen Lippe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Dortmund, unter dem Motto „Geschäftszahlen im Zugriff der Finanzverwaltung” einige Tipps parat. Den passenden Übergang zum individuellen Gedankenaustausch läutete der Vortrag von Gerd Ruhmann von der Ruhmann-Höltken GbR aus Dortmund ein: „Hopfen und Malz – Gott erhalt–s. Bierverkostung und Informationen zum Gerstensaft."

Fotos vom IHK-Wirtschaftsgespräch

DOKUMENT-NR. 16649

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