Gröblinghoff: „Der Staat ist kein
Unternehmer.”
„Der Staat ist auf Dauer kein guter Unternehmer.”
IHK-Vollversammlungs-Mitglied Markus Gröblinghoff nahm beim
traditionellen Wirtschaftsgespräch der IHK zu Dortmund kein Blatt
vor den Mund. Zwar wirke der Staat gegenwärtig stabilisierend und
damit vertrauensbildend. „Das darf aber nicht dazu führen, dass der
Grundsatz –Privat vor Staat– auf den Kopf gestellt wird”, stellte
Gröblinghoff vor rund 60 Gästen aus Politik, Wirtschaft und
Verwaltung in der Gaststätte „Haus Timmering” klar.
Die Wirtschaftsflaute mache allerdings auch vor den hiesigen
Unternehmen nicht Halt. „Die Konjunktur hat sich deutlich
abgekühlt”, zitierte das Vollversammlungsmitglied aus einer
aktuellen IHK-Umfrage. Dabei stehe die Wirtschaft in Bönen auf
einem robusten Fundament. Die Zahl der IHK-zugehörigen Unternehmen
ist im Vergleich zum Vorjahr um 53 auf 711 gestiegen und die der
Arbeitslosen um 81 auf 757 gesunken. Lediglich die Zahl der
neueingetragenen Ausbildungsverhältnisse ging leicht von 136 auf
127 zurück.
Über die politische und insbesondere die wirtschaftliche Lage
drehte sich die Diskussion der drei Kandidaten für das
Bürgermeisteramt, die von IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz
geleitet wurde. Amtsinhaber Rainer Eßkuchen (SPD) sprach sich dafür
aus, Bönen in den Bereichen Arbeiten, Einkaufen, Wohnen sowie
Freizeit und Naherholung weiterzuentwickeln und „die derzeitige
Spitzenstellung im Kreis Unna zu festigen”. Er wolle sich in der
kommenden Legislaturperiode für die Schaffung 9.000 neuer
Arbeitsplätze und rund 600 Ausbildungsplätze einsetzen. Eßkuchen
bekannte sich eindeutig zum heimischen Steinkohlebergbau. Grund-
und Gewerbesteuern wolle er bis 2015 nichterhöhen. Dem
demographischen Wandel müsse man mit einer angepassten
Siedlungsstruktur sowie optimierten Schienen- und Busverkehren
begegnen. „Kinder und ältere Menschen gehören in die Mitte”,
betonte der amtierende Bürgermeister. 2014 solle es für jedes
dritte Kind unter drei Jahren eine Betreuungsmöglichkeit geben. Bei
den Gemeinschaftsstadtwerken werde er darauf hinarbeiten, den
Anteil erneuerbarer Energien um mehr als 20 Prozent zu
steigern.
Auf das Thema Ökologie setzt Dr. Udo Becker,
Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen. Bislang werde die
Ökologie nicht als Chance gesehen, Arbeitsplätze zu schaffen,
sondern eher als ein Anhängsel der Ökonomie. Jeder Arbeitsplatz sei
wichtig, doch sollten immer solche den Vorrang haben, die den
Arbeitnehmern ein Auskommen sichern. Nur durch nachhaltige Planung
könne auf Dauer die Zukunft Bönens als handlungsfähige Gemeinde
gesichert werden. Außerdem müssten die einzelnen Ortsteile gestärkt
werden. Dazu zählten auch die Bereiche der östlichen und westlichen
Bahnhofstraße. Hier habe der Handel wachsende Probleme, sich zu
behaupten. Den Einzelhändlern müssten Anreize geboten werden, ihre
Läden weiterhin zu betreiben und neue einzurichten. Es dürfe hier
keine Leerstände geben. Dafür brauche man Stadtmarketing oder ein
kommunales Management. In die Planungen müssten die Bürger
frühzeitiger und stärker mit eingebunden werden. „Nicht die Bürger
haben zum Rathaus zu kommen, sondern das Rathaus zu den Bürgern”,
regte Becker eine größere Offenheit bei allen Entscheidungen in der
Verwaltung an.
Doris Cyplik, Bürgermeisterkandidatin der CDU, sieht Bönen im
Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte gut aufgestellt. Niedrige
Gewerbesteuer- und Grundsteuersätze sowie das Vertrauen der
Unternehmer und Existenzgründer sprächen für sich. Hierbei spiele
die A 2 und die gute Erreichbarkeit Bönens eine große Rolle, auch
wenn sie sich einen zweiten Autobahnanschluss gewünscht hätte. Die
Gewerbeentwicklung sollte maßvoll sein und dabei die festgesetzten
Grenzen nicht überschreiten. Cyplik sprach sich für eine schlanke
personelle Ausstattung in den Bereichen der Verwaltung aus. Man
müsse vorausschauend agieren, um die Gestaltungs- und
Entscheidungsfreiheit im Gemeindehaushalt beibehalten zu können.
Für die einzige Kandidatin um das Bürgermeisteramt ist
Familienpolitik Standortpolitik. Sie wolle die die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf verbessern. Tagesbetreuung von Kindern in
Kitas und Ganztagsschulen seien da nur einzelne Module dieser
Maßnahmen. Die Schullandschaft Bönens sei gut aufgestellt. Die
Ganztagsprojekte an den weiterführenden Schulen hätten ihre
Unterstützung, außerdem begrüße sie den Ausbau der Betreuung unter
Dreijähriger.
Trotz unterschiedlicher Auffassungen gab es aber auch
Gemeinsamkeiten. IHK-Hauptgeschäftsführer Schulz fasste zusammen,
dass zwar nicht alle Kandidaten eine angebotsorientierte
Flächenpolitik und eine offensive Baulandgestaltung für sinnvoll
erachteten. Aber alle wollten in die Infrastruktur investieren,
Leitprojekte entwickeln und Bönen attraktiver gestalten. „Allen ist
bewusst, dass eine gute Wirtschaftspolitik die beste Arbeitsmarkt-
und Sozialpolitik ist”, resümierte Schulz.
Die Scientology Organisation war Thema des Vortrags von Dirk
Ritter-Dausend vom NRW-Innenministerium. Seit 1997 stehe sie im
Blickfeld des Verfassungsschutzes. Scientology verfolgt das
ideologische Ziel, die Führung der Gesellschaft zu übernehmen,
somit bestrebe die Organisation auch die Infiltration von Staat und
Wirtschaft. Gefährlich würde Scientology vor allem dann für
Unternehmen, wenn es der Organisation gelingen sollte, mit ihm enge
Verbindungen aufzubauen oder es sogar zu unterwandern. Das
Bekanntwerden könne die Reputation des Unternehmens ruinieren und
schlimmstenfalls zu dessen Insolvenz führen. Die Spionageabwehr des
Verfassungsschutzes biete hier im Rahmen ihres
Wirtschaftsschutzprogramms Ansätze für einen wirksamen
Unternehmensschutz.
Damit die nächste Betriebsprüfung ohne Beanstandung über die
Bühne geht, hatte Dirk Schulte-Uebbing, Geschäftsführer der DOSU
Treuhand GmbH Westfalen Lippe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Dortmund, unter dem Motto „Geschäftszahlen im Zugriff der
Finanzverwaltung” einige Tipps parat. Den passenden Übergang zum
individuellen Gedankenaustausch läutete der Vortrag von Gerd
Ruhmann von der Ruhmann-Höltken GbR aus Dortmund ein: „Hopfen und
Malz – Gott erhalt–s. Bierverkostung und Informationen zum
Gerstensaft."
Fotos vom
IHK-Wirtschaftsgespräch