Der FDP-Chef zu Gast in der IHK
„Ich bin davon überzeugt, dass wir gute Chancen haben, gestärkt
aus der Krise hervorzugehen. Wir müssen Sie aber auch nutzen.”
Gleich zu Beginn seines Vortrags in der Industrie- und
Handelskammer (IHK) zu Dortmund am 22. April überzeugte Dr. Guido
Westerwelle, Bundesvorsitzender und Vorsitzender der
Bundestagsfraktion der FDP, die rund 400 Gäste der Vortrags- und
Diskussionsreihe „Wirtschaft trifft Politik” mit seinen Argumenten
ein und nannte Stichworte wie Optimismus, Energie und
Aufbruchstimmung. „Denn wir müssen gerade in dieser Zeit das
wecken, was immer die Grundlage für Wachstum und Wohlstand war –
Lust auf Leistung.”
Dieser Leistungsgedanke zog sich wie ein roter Faden durch den
von IHK-Präsident Udo Dolezych moderierten Abend. „Unsere
Wirtschaft ist ein Tausendfüßler, dem man nicht so leicht ein
Beinchen stellen kann”, bekräftigte der IHK-Präsident die
Leistungsfähigkeit der mittelständisch geprägten
Mitgliedsunternehmen. Westerwelle gefiel dieser Vergleich und
ergänzte, dass der Mittelstand und die Mittelschicht die
Leistungsträger, das Rückgrat der Gesellschaft seien. „Man kann den
Schwachen nicht helfen, indem man diejenigen schwächt, die den
Karren ziehen”, betonte der FDP-Chef und verwies auf die
ökonomische Bedeutung des Mittelstands mit 30 Millionen
Arbeitsplätzen, 80 Prozent der Lehrstellen und 70 Prozent aller neu
geschaffenen Arbeitsplätze. Außerdem komme das Gros der
Steuereinnahmen aus dem Mittelstand.
Die von der FDP angestrebte Reform des Steuerrechts bezeichnete
Westerwelle dann auch als „Mutter aller Reformen”. In Kurzform:
Weniger Steuern bei gleichzeitig weniger Ausnahmen, weniger Abgaben
und weniger Bürokratie. „Für die Menschen ist ja nicht die Oase das
Problem, sondern die Wüste drumherum”, merkte der Chef der
Liberalen an und erteilte Steuerschlupflöchern eine klare Absage.
In der Politik seien zu viele sich gar nicht dessen bewusst, dass
Steuereinnahmen nicht den Regierenden, dem Staat, sondern den
Bürgern und Unternehmen gehörten. Ganz in liberaler Tradition
forderte Westerwelle, dass sich der Staat auf seine Kernaufgaben
konzentriere. „Der Sozialstaat muss für die Bedürftigen da sein,
nicht für die Findigen.” Und Leistung müsse sich lohnen. „Wer
arbeitet muss mehr haben, als der, der nicht arbeitet”, brachte es
Westerwelle auf den Punkt und mahnt an, dass der Sozialismus nicht
über die Hintertür wieder salonfähig gemacht werden dürfe.
In der Gesprächsrunde nach seinem Vortrag wurde Westerwelle nach
möglichen Konstellationen nach der Bundestagswahl gefragt. Der
FDP-Chef verbat sich mit einem Schmunzeln jegliches Andichten einer
Beziehung zu den Grünen, vermutete in der Union „schwarz lackierte
Sozialdemokraten” und griff die SPD an: „Statt Brücken zur FDP zu
bauen, graben die lieber einen Tunnel zur Linken.” Fragen zu
Koalitionsaussagen wich Westerwelle geschickt aus – und hatte wie
so häufig an diesem Abend die Lacher auf seiner Seite: „In der
Politik beantwortet man nicht jede Frage, wenn sie einem gestellt
wird, sondern dann, wenn sie sich stellt.”
Fotos von der
Veranstaltung
Video zur
Veranstaltung
Über die Veranstaltungsreihe:
Die Veranstaltungsreihe „Wirtschaft trifft Politik” der IHK zu
Dortmund soll zu mehr gegenseitigem Verständnis für die Interessen
der Politik und der Wirtschaft führen. Der direkte und offene
Kontakt zu hochrangigen Repräsentanten aus der Landes- und
Bundespolitik stößt seit Start der Reihe im März 2007 regelmäßig
auf großes Interesse bei den regionalen Unternehmen. Westerwelle
war nach NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers und
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück der dritte Gast der Reihe.