Stipendienpool übernimmt Studiengebühren
Zwei Semester lang eine finanzielle Sorge weniger haben jetzt 15
Informatik-Studentinnen und -Studenten der Technischen Universität
(TU) Dortmund. Sie bekommen die rund 1.000 Euro Studiengebühren für
diesen Zeitraum aus einem Stipendienpool bezahlt. Dafür haben elf
mittelständische IT-Unternehmen einen Fonds unter dem Dach der
Initiative „Der Innovationsstandort” gegründet. Um dem Fach- und
Führungskräftemangel entgegenzuwirken und um qualifizierte
Nachwuchskräfte an die Region und die Betriebe vor Ort zu binden,
haben die networker westfalen e. V., die Fakultät für Informatik
der TU Dortmund sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu
Dortmund einen Stipendienfonds initiiert. Am 20. April wurden den
jungen Frauen und Männern die Urkunde zur Aufnahme in den
Stipendienpool übergeben.
Die Idee ist im Ausschuss für Information und Kommunikation der
IHK entstanden. Die Initiatoren verfolgen das Ziel, besonders
motivierte Informatik-Studierende zu fördern und ihnen möglichst
frühzeitig den Kontakt zu Unternehmen der Region herzustellen.
„Studienabgänger entscheiden sich oft für eine Laufbahn in großen
Unternehmen, viele können die vielfältigen Chancen und
Möglichkeiten in mittelständischen Betrieben nicht einschätzen”,
sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz: „In unserer Region
beschäftigen mehr als 1.500 Unternehmen der IT-Branche rund 16.000
Mitarbeiter. Die insgesamt mehr als 3.000 angehenden
Informatikerinnen und Informatiker, werden von den sehr
technologisch geprägten Unternehmen dringend gebraucht.” Die TU
Dortmund sei seit vielen Jahren ein wichtiger Partner der
regionalen Wirtschaft.
Der Stipendienfonds sieht einfache Rahmenbedingungen zwischen
Studierenden und Unternehmen vor. Er sei ganz bewusst als ein
Kooperationsangebot für eher kleinere mittelständische Unternehmen
konzipiert, um qualifizierte Kontakte zu Studierenden herzustellen
und zu strukturieren. So werden die Zeugnisnoten, die persönliche
Eigenschaften und das Engagement der Studierenden und der Bedarf
der Unternehmen von einer Auswahlkommission ausgewertet. „Natürlich
können – und sollen – auch tiefer gehende Bindungen möglich sein”,
ergänzte Schulz. So können sich beide Seiten zum Beispiel über
Praktika, Diplomarbeiten und Nebentätigkeiten im Unternehmen
verständigen. Bestenfalls führe der Weg des Studenten nach dem
Abschluss an der TU direkt in die Festanstellung.
Informatik-Dekan Prof. Dr. Peter Buchholz warb mit den guten
Kontakten zur regionalen Wirtschaft um Studierende: „Das Stipendium
ist für motivierte Studenten ein Anreiz, denn sie können sich nun
besser auf ihr Studium konzentrieren.” Der Dekan freute sich
darüber, dass die heimische Wirtschaft auf diese unmittelbare Weise
junge Menschen bei ihrer Ausbildung unterstützt. Darüber hinaus
würden die Patenschaften mit Unternehmen mittelbar zu einer
Praxisorientierung der Studiengänge betragen.
„Der Stipendienfonds ist ein gutes Beispiel für eine
–win-win-Situation– zwischen TU und Wirtschaft”, erläuterte die
TU-Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather. „Schon seit vielen Jahren
fördern wir die Vernetzung von TU und Wirtschaft, beispielsweise
durch die Unterstützung von Unternehmensgründungen aus der TU im
Technologiezentrum Dortmund.” Dabei habe die Fakultät für
Informatik von Beginn an eine wichtige Rolle gespielt. Die
Arbeitsteilung zwischen IHK, TU und networkern habe sich bewährt.
Ursula Gather plädierte dafür, nach dem ersten Pilotversuch den
Stipendienfonds breitenwirksam zu bewerben. „Die Möglichkeit,
parallel zum Studium in engem Kontakt zur Wirtschaft das
Informatikstudium an der TU Dortmund absolvieren zu können, halte
ich für einen nachhaltigen Standortvorteil”, so die Rektorin.
„Wir sind vom –Dortmunder Modell– sehr überzeugt und haben daher
ohne zu zögern nach Anfrage der Initiative „Der
Innovationsstandort” die Trägerschaft für das Projekt übernommen”,
betonte Peter Hansemann. Der Vorsitzende des Branchenverbandes
networker westfalen e. V. sieht Vorteile für Stipendiaten und
Unternehmen: Sie können gezielt Kontakte knüpfen und langfristig
Verbindungen aufbauen.
Auch Dirk Löhn von der Locatech IT Solutions GmbH unterstützt
den Stipendienfonds: „Im Vergleich zu den Kosten einer
überregionalen Stellenanzeige ist die Übernahme der Studienbeiträge
überschaubar.” Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen sei der
Stipendienfonds eine Chance, qualifizierte junge Menschen
frühzeitig zu erreichen und intensiver kennenzulernen. Die
Entwicklung eines Studierenden verfolgen zu können, sei ein großer
Vorteil des Stipendienfonds, besonders im Vergleich zu üblichen
Bewerbungsverfahren”, so Löhn. Julia Werdelmann,
Informatikstudentin im 6. Semester, freute sich über das
Stipendium: „Ich bin dankbar für einen intensiven Dialog mit den
Mitarbeitern der Locatech IT Solutions GmbH und gespannt zu
erfahren, wie die tägliche Arbeit der IT-Experten in der Praxis
aussieht. Die Locatech ermöglicht es mir, mich mit diesem
Stipendium voll und ganz auf meine Ausbildung zu konzentrieren.
Meine Kommilitonen und ich werden alles daran setzten, das in uns
gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.”
An dem Stipendienfonds beteiligen sich die Firmen carat robotic
innovation GmbH, Dataverde GmbH, Swyx Solutions AG, DOKOM GmbH,
networker westfalen e. V., Materna GmbH Information &
Communications, Locatech IT Solutions GmbH, Quintessenz Beratung
GmbH, adesso AG, CEMA AG sowie HeliNET Telekommunikation GmbH &
Co. KG