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PRESSEMELDUNG

Selbstheilungskräfte der Wirtschaft wirken (07.12.09)

IHK-Präsident Udo Dolezych beim Jahresempfang am 7. Dezember

„Hurra wir leben noch! Und das gar nicht mal schlecht.” Mit dieser „Gute-Laune-Nachricht” begrüßte Udo Dolezych, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund, die mehr als 700 Gäste beim traditionellen Jahresempfang am 7. Dezember im Großen Saal der IHK. Bei allem Optimismus gelte es aber auch Demut zu bewahren. Die Konjunkturdaten haben sich zwar weltweit verbessert. „Der Boden auf dem wir alle stehen, wackelt aber noch etwas.”

Immerhin habe sich die Wirtschaft im Westfälischen Ruhrgebiet nicht den Boden unter den Füßen wegziehen lassen. Dolezych spielte dabei auf die Prognosen zum Jahr 2009 an, für das ein wahres Schreckensszenario gezeichnet worden war. Wenn die Wirtschaftsauguren jetzt wieder von einem Wachstum von 1,2 bis 2 Prozent für das nächste Jahr ausgehen, komme dies fast einem kleinen Wunder gleich. Die Therapie mit den Konjunkturprogrammen und dem Instrument der Kurzarbeit habe gewirkt. Viel wichtiger sei es aber, dass die Unternehmer ihre Selbstheilungskräfte haben wirken lassen. Dolezych: „Ohne die geht es nicht. Die Unternehmen haben sich Vertrauen und Selbstvertrauen gepaart mit Tatkraft, Mut und auch einem Stück Optimismus bewahrt."

Dies belege auch die gemeinsame Umfrage von START-Institut und IHK, an der sich rekordverdächtige 634 Unternehmen beteiligt haben. Danach bezeichnen über 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer ihre aktuelle Lage als befriedigend bis gut. Dies seien 10 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Noch positiver sieht das Bild bei den künftigen Erwartungen aus. Hier erwarten 84 Prozent der befragten Unternehmen, dass ihre wirtschaftliche Situation gleich bleibt oder sich sogar verbessert. „Jetzt können wir nur noch wünschen, dass die Wirklichkeit uns auch im nächsten Jahr wieder um 10 Prozent überholt.” Ein weiterer Indikator für die sich nach vorne entwickelnde Wirtschaft sei die Investitionstätigkeit. Mehr als Dreiviertel aller Befragten wollen im kommenden Jahr ihre Investitionen beibehalten oder sogar erhöhen. Als wesentliche Säule der deutschen Wirtschaft bezeichnete Dolezych den Mittelstand. 95 Prozent aller Betriebe seien Familienunternehmen. Sie beschäftigten rund 80 Prozent aller Arbeitnehmer und Auszubildenden.

Besonders erfreut zeigte sich Dolezych, dass fast 86 Prozent der Befragten die Beschäftigtenzahl in ihrem Unternehmen halten oder sogar steigern wollen. „Wir sehen dies auch als Ergebnis einer vernünftigen Kurzarbeiterregelung, die allen hilft, Arbeitsplätze und qualifizierte Kräfte zu erhalten.” Es sei richtig, die Kurzabeiterregelung auch 2010 fortzusetzen. „Die Absicht der Unternehmen, die Arbeitsplätze zu erhalten, ist auch eine Bestätigung des Vertrauens, das unsere Mitarbeiter uns entgegenbringen.” Deswegen sei er gegen die Pläne, den Kündigungsschutz für bestehende Arbeitsverhältnisse zu lockern. „Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass jeder, der seit Jahren in einem festen Beschäftigungsverhältnis steht, nun um seinen Arbeitsplatz fürchten muss.” Mehr Flexibilität bei Neueinstellungen sei aber durchaus wünschenswert. Das biete den Unternehmen die Chance, mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Gerade wegen der Finanzprobleme der Kommunen in Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna forderte der IHK-Präsident, müsse überall gespart werden, auch bei Personalausgaben. Die Erhöhung der Gewerbesteuer sei aber der falsche Weg.

„Das ist wie der Reflex eines Ertrinkenden, der seinen potenziellen Retter gleich mit herabzieht.” Statt die Wirtschaft zu stärken und den Mut zu haben, durch einen attraktiven Gewerbesteuersatz mehr Unternehmen nach Dortmund zu holen, verschrecke man mit einer Erhöhung alle Ansiedlungswilligen. Die IHK wisse definitiv von Überlegungen für den Fall einer Gewerbesteuererhöhung, geplante neue Arbeitsplätze nicht in Dortmund anzusiedeln.

Den richtigen Weg zeige die IHK auf. Die Vollversammlung habe gerade beschlossen, den IHK-Beitrag zum vierten Mal in Folge zu senken – von jetzt 0,29 auf 0,27 Prozent. Es komme dabei nicht auf die effektive Größenordnung an, sondern das Signal sei entscheidend.

Dolezych begrüßte auch die Pläne der Bundesregierung, gezielte Steuersenkungen durchzusetzen, wie z. B. durch die Beseitigung der kalten Progression oder beim „Mittelstandsbauch”. Deutschland sei immer noch ein Hochsteuerland und in die­sem Jahr sind die Steuereinnahmen trotz der Krise die dritthöchsten aller Zeiten.

Neben dem Thema Verschuldung der öffentlichen Haushalte sehen die Unternehmen in den Kommunen des IHK-Bezirks insbesondere Verbesserungsbedarf bei der Bildung und bei der verkehrlichen Infrastruktur. Wenn aber 44,9 Prozent der Staatsausgaben für soziale Sicherung ausgegeben werden, und der Bildungsbereich gerade einmal 9 Prozent erhält, dann stimmt das System nicht mehr. Wir dürfen aber keine Chance verstreichen lassen. Immer noch bleiben zu viele Lehrstellen unbesetzt. Eine gesellschaftliche Gruppe sei bisher für die Bildung zu wenig beachtet worden. Heute habe jedes dritte Kind unter zehn Jahren einen Migrationshintergrund. „Wir können es uns gar nicht erlauben, dieses gewaltige Bildungspotenzial zu vergeuden. Wir brauchen diese jungen Menschen. Unsere Fachkräfte von morgen sind darunter.” Die Sozialhaushalte müssen entlastet werden. Ein Weg dorthin führt über Arbeit und Leistung, die sich endlich wieder lohnen müssen. „Wer arbeitet, muss einfach mehr bekommen, als der, der nicht arbeitet.”

Abschließend wies Dolezych auf ein Ereignis hin, das man als Chance für die gesamte Region begreifen müsse. Die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Die gesamte Region könne sich hier als Teil der dichtesten Kulturlandschaft Europas selbstbewusst präsentieren. Besondere Symbolkraft komme dem Projekt Schachtzeichen zu. „Die großen Ballons, die demnächst über den alten Kohle-Schächten in leuchtendem Sonnengelb in den Himmel aufsteigen, weisen den Weg nach oben. Das ist auch unsere Richtung!”

Rede von IHK-Präsident Udo Dolezych als Video ansehen:
Film IHK-Jahresempfang 2009

Bilder vom IHK-Jahresempfang:
Fotostrecke

DOKUMENT-NR. 17830

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