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PRESSEMELDUNG

Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund (17.03.2009)

IHK legt Bericht 2008 vor

„Die weltwirtschaftlichen Entwicklungen machen auch vor dem Westfälischen Ruhrgebiet nicht Halt.” Udo Dolezych, Präsident der IHK zu Dortmund, redete am 17. März bei der Vorlage des IHK-Berichts 2008 Klartext. Die noch durchweg positiven Erwartungen der Unternehmen vom November seien einer sehr viel nüchterneren Betrachtungsweise gewichen. Der IHK-Präsident stützte sich dabei auf Ergebnisse einer Umfrage der Start-Forschungsgesellschaft bei über 580 Unternehmen. Damit haben mehr als doppelt so viel Unternehmen als im Vorjahr an der Befragung teilgenommen. „Das zeigt, wie sehr sich die Unternehmen mit der derzeitigen wirtschaftlichen Situation auseinandersetzen.”

Verdoppelt hat sich auch von 11 auf 22 Prozent der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage als schlecht bezeichnen. Von 88 auf 78 Prozent geschrumpft ist das Lager derjenigen, die ihr Unternehmen in „guter” oder „befriedigender” Verfassung sehen. Dem entsprechend zurückhaltend sind die Erwartungen für 2009: Statt 70 Prozent im Herbst gehen jetzt noch 65 Prozent von einer gleichbleibenden oder sich verbessernden Lage aus. Mit schlechter laufenden Geschäften rechnen 35 Prozent – Ende 2008 waren es 29 Prozent. Rund 41 Prozent der Unternehmen spürten anhand von Auftrags-, Nachfrage- und Umsatzrückgängen bereits jetzt den wirtschaftlichen Abschwung, so Dolezych.

Der IHK-Präsident konnte aber auch bessere Nachrichten verkünden: „Die Städte Dortmund, Hamm und der Kreis Unna sind 2008 bei der strukturellen Erneuerung der Region ein gutes Stück vorangekommen.” Die verkehrliche Infrastruktur sowie die Kultur- und Bildungsreinrichtungen bekämen durchweg gute Noten von den Unternehmen. Mit der neuen Fachhochschule in Hamm und dem Internationalen Begegnungszentrum an der Technischen Universität Dortmund werde die Basis für Bildung im Westfälischen Ruhrgebiet erweitert. Im neuen Netzwerk „Der Innovationsstandort” bringe sich die IHK als Partner für mehr Qualität im Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ein. Dolezych fand darüber hinaus deutliche Worte zum Dortmund Airport an die Adresse der Politik: „Wer den Flughafen nicht wettbewerbsfähig ausstatten will, der gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern die wirtschaftliche Weiterentwicklung der gesamten Region.”

Trotz des für die Wirtschaft durchwachsenen Jahres 2008 konnte die IHK positive Entwicklungen verzeichnen. Sowohl die Zahl der bei ihr registrierten Unternehmen als auch die der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse ist 2008 gestiegen – um 785 auf 54.885 beziehungsweise um 222 auf 5.249. Dies sei ein erfreulicher Beleg dafür, so Dolezych, dass die Unternehmen zunehmend Ausbildung als geeignete Maßnahme gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel begriffen.

In diesem Zusammenhang zeigte sich IHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz zufrieden darüber, dass die Unternehmen angesichts des wirtschaftlichen Abschwungs nicht kurzfristig, sondern langfristig dächten. Sie wollten eher investieren sowie Akquise, Marketing und Vertrieb stärken. Erst ganz am Ende des Maßnahmenkatalogs stünden Einstellungsstopps, Gehaltskürzungen und möglicherweise Personalabbau. Gleichwohl müsse man derzeit eine Zunahme bei der Kurzarbeit und eine Abnahme der Zeitarbeit feststellen. „Die Unternehmen arbeiten noch härter für den Erfolg.”

Die IHK unterstütze die Unternehmen dabei mit einem Bündel von Maßnahmen. Mit einer Reihe von Informationsveranstaltungen zu den Themenfeldern Finanzierung, Förderungsmöglichkeiten und Innovation wolle man der Wirtschaft helfen, aktiv dem Abschwung entgegenzutreten. Sorgen bereite der IHK in diesem Zusammenhang das Thema Industrie. „Wir wünschen uns in dieser Beziehung auch ein klares Bekenntnis der Politik zu industriellen Arbeitsplätzen. Dabei brauchen wir in Dortmund neue Gewerbeflächen”, forderte Schulz.

Als „bittere Realität” für die Unternehmen bezeichnete der IHK-Hauptgeschäftsführer die Umweltzonen, die eher den Namen Fahrverbotszonen verdienten: „ Es kann immer noch nicht nachgewiesen werden, dass die Umweltzonen ihren Zweck erfüllen und für bessere Luft sorgen”, so Schulz. Deshalb müsse im Einzelfall auch im IHK-Bezirk weiter geprüft werden, ob eine Umweltzone überhaupt sinnvoll sei.

Erfreulicherweise werde der IHK-Bezirk im Jahr 2010 zu einer Region der Kultur, wenn die ganze Welt auf das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt blicke. „Diese Chance müssen wir ergreifen, um noch mehr Werbung für unsere Region zu machen”, machte IHK-Präsident Dolezych Mut. Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt Dortmund im Orchesterzentrum soll die Unternehmen in der Region für dieses Ereignis weiter sensibilisieren.

Dass die Städte Dortmund, Hamm und der Kreis Unna immer internationaler werden, belege auch die Zahl der hier ansässigen ausländischen Unternehmen sowie der 130.000 ausländische Staatsbürger, die zunehmend auch ihre berufliche Zukunft in der Selbstständigkeit sehen. Die meisten ausländischen Unternehmer haben eine türkische Herkunft, gefolgt von polnischen und griechischen Mitbürgern. Insgesamt konnten 3.245 Unternehmen registriert werden, die in den Bereichen Einzelhandel, Baugewerbe und Gastronomie tätig sind. Die Internationalität der Menschen und Unternehmen spiegelt sich auch an den hier ansässigen Hochschulen wider. Der Anteil der ausländischen Studenten beträgt allein an der Technischen Universität rund 15 Prozent. Dies ist sicherlich noch steigerungsfähig.

DOKUMENT-NR. 16635

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