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EMPFANG DER GESELLSCHAFT FÜR WESTFÄLISCHE WIRTSCHAFTSGESCHICHTE
Wirtschaftskrise in historischer Perspektive
In der öffentlichen Diskussion nach Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 wurde immer wieder auf Ähnlichkeiten mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 hingewiesen. Solche Parallele wies der Historiker Prof. Dr. Werner Plumpe, Goethe-Universität Frankfurt am Main, beim traditionellen Jahresempfang der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte (GWWG) energisch zurück. Rund 400 Gäste waren am 31. Januar 2012 in den Großen Saal der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund gekommen, um mehr über Wirtschaftskrisen und Spekulationen in Geschichte und Gegenwart zu erfahren.
„Im Vergleich zum wirtschaftlichen, politischen und auch sozialen Katastrophenjahr 1929 erscheinen mir die Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise bei einem Wirtschaftswachstum von 3 % und tendenziell sinkenden Arbeitslosenzahlen weitaus weniger dramatisch“, bemerkte der Vorstandsvorsitzende der GWWG und Vize-Präsident der IHK zu Dortmund, Joachim Punge, bereits bei seiner Begrüßung und Werner Plumpe bestätigte dies während seines Vortrags: „Die vergangene Krise war kein wirtschaftlicher Zusammenbruch, sondern vielmehr ein durch das Platzen der Immobilienblase verstärkter konjunktureller Abschwung und Ausdruck des normalen ökonomischen Strukturwandels.“ Im Gefolge der Wirtschaftskrise verschlechterten sich allerdings die Refinanzierungsbedingungen für jene Staaten, die unter hohen Schulden und Leistungsbilanzdefiziten litten und leiden. „Im Rahmen des Euro wurde aus der Staatsschuldenkrise dann rasch eine Krise des Euroraums, die wiederum historische Parallelen in den Krisen des Goldstandards bzw. des Systems fester Wechselkurse nach dem Abkommen von Bretton Woods findet“, führte Plumpe weiter aus. Die Erfahrung lehre, dass Währungsordnungen keineswegs nur vom guten Willen aller Beteiligten abhängen, sondern auch von ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten: „Sind diese zu heterogen, können Währungsordnungen schnell ihre Funktionalität verlieren, ja selbst zu einem Faktor krisenhafter Entwicklungen werden.“
In der abschließenden lebhaften Diskussion stellte Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Direktor des Westfälischen Wirtschaftsarchivs, heraus, „dass die gegenwärtige Finanzkrise eine neue historische Dimension erreicht hat, weil sich die Finanzmärkte von der Realwirtschaft weitgehend abgekoppelt haben.“

