„Alltag und Ferne“ lautet der Titel der aktuellen Ausstellung der Künstlerin Ania Hardukiewicz, die in der Reihe „Kunst in der IHK“ bis zum 27. Januar 2012 ihre Arbeiten in der Industrie und Handelskammer (IHK) zu Dortmund zeigt. Die Absolventin der Düsseldorfer Akademie präsentiert neben einer Auswahl ihrer Porträts einen Themenbereich, dem sie sich konsequent widmet, und der insbesondere in der Malerei ein Schattendasein führt. Es geht um das aktuelle Leben, vor allem das der modernen Frau, und dies in einem Stilmix der Ausdrucksformen, der Illustration und Modefotografie in die Malerei überführt.
Dabei begibt sich Hardukiewicz auf ein Terrain, dem in der Malerei etwas Anrüchiges anhaftet; denn mit einer gehörigen Portion Humor und großer Leichtigkeit setzt sie ihre Themen um, die sie, der Profanität der Thematik alle Ehre machend, einfach „Alltäglichkeiten“ genannt hat.
Im Mittelpunkt steht dabei die Welt der modernen Frau, wie sie von Magazinen und Fernsehserien nur allzu gerne als Realität vorgetäuscht werden. Als moderne, kosmopolitische Frau hat man, beziehungsweise „Frau“, eine Art „Wonder Woman-Dasein“ anzustreben: erfolgreich in Beruf und Familienleben, dabei fit und entspannt, schlank und gestylt, perfekt organisiert. In der motivischen Verdichtung dieser Thematik, bei der mitunter der ausschließliche Fokus auf ein Paar Schuhe gerichtet wird, denen wie in der bekannten Fernsehserie „Sex and the City“ der Stellenwert einer modernen Reliquie zukommt, wird diese bunt schillernde Welt jedoch als fadenscheinige Illusion enttarnt. Auch in den Bildern einer perfekt gestylten Frau im schicken Etuikleid, die während des Kochens leichthin ein Kind auf der Hüfte balanciert, bemerkt der aufmerksame Betrachter eine Trübung der farbenfrohen Wirklichkeit. Denn angeregt durch ein in den Vordergrund gerammtes Messer schweifen die Gedanken, die eben noch beim Thema Kartoffelschälen waren, hin zu einer Szene des Filmklassikers „Psycho“ von Alfred Hitchcock, bei der das Messer als Mordwerkzeug Verwendung findet.