Die gute Nachricht vorweg: Mindestens 158 der insgesamt 199 Grundschulen im Westfälischen Ruhrgebiet bieten eine Nachmittagsbetreuung an – genau so viele, wie auf die entsprechende Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund geantwortet haben. Der Wermutstropfen: Obwohl an mehr als der Hälfte dieser Grundschulen Eltern sich für ihre Kinder noch mehr Betreuungsplätze wünschen, ist das nur an jeder elften in naher Zukunft geplant.
Das geht aus dem „Grundschulcheck 2011“ der IHK-Organisation hervor. „Diese Betreuungs- und auch die Resonanzquote von jeweils 80 Prozent hat uns sehr gefreut und auch positiv überrascht“, betont Hauptgeschäftsführer Reinhard Schulz. „Denn auch wenn an der einen oder anderen Stelle aus Sicht der Eltern und der Wirtschaft noch nachgebessert werden kann, leisten die Grundschulen in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna schon jetzt einen wichtigen Beitrag dafür, den Fachkräftebedarf in der Region zu sichern.“
Bundesweit wurden auf Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) die Grundschulen zur Nachmittagsbetreuung befragt. Demnach besteht bei einem Drittel der Eltern von Grundschulkindern der Wunsch nach mehr Betreuungsplätzen. Im Bezirk der IHK zu Dortmund sind es insgesamt 51 Prozent, in Hamm sogar 61 Prozent. Dafür plant bundesweit immerhin mehr als die Hälfte der Grundschulen eine entsprechende Ausweitung des Angebots, während es in der Region nur knapp neun Prozent sind. „Für viele berufstätige Eltern – und damit auch für deren Arbeitgeber – ist es aber beim Übergang vom Kindergarten in die Schule eine große Herausforderung, die Nachmittagsbetreuung zu organisieren“, so Schulz. Nicht selten gehe dies mit einer Arbeitszeitreduzierung oder dem Ausstieg eines Elternteils aus dem Beruf einher. Das sei angesichts des zunehmenden Fachkräftebedarfs und der finanziellen Sicherung von Familien doppelt problematisch.
Mit den Betreuungszeiten scheinen die Eltern im Westfälischen Ruhrgebiet aber auszukommen. Nicht mal fünf Prozent vermissen hier eine Ausdehnung, bundesweit ist es dagegen ein gutes Viertel. In der Region ist mit mehr als 17 Prozent die Nachfrage im Kreis Unna noch am höchsten. In mehr als 91 Prozent der Grundschulen in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna werden die Kinder auf Wunsch bis 17 Uhr betreut, in Hamm sogar an allen. Individuell wählen und abrechnen können diese Dienstleistung aber lediglich gut elf Prozent der Eltern, bundesweit sind das immerhin 54 Prozent.
Über 17 Uhr hinausgehende Betreuungszeiten werden nur an drei der befragten Grundschulen angeboten – und zwar im Kreis Unna. Diesem Anteil von nicht einmal zwei Prozent steht ein Bundesdurchschnitt von immerhin sechs Prozent gegenüber. Ferienbetreuung hingegen ist überall ein zentrales Problem, egal ob in der Region oder landesweit. Denn rund 80 Prozent der Schulen bieten nur zeitweise oder sogar keine Betreuung in den Ferien an. Auch hier gibt es in der Region Unterschiede: In Dortmund bieten zwar alle Grundschulen eine Ferienbetreuung an, aber nicht während der gesamten Zeit. Im Kreis Unna bieten genau das aber 63 Prozent an, in Hamm immerhin fast 39 Prozent. „Aus unserer Sicht es wichtig, dass sich die Grundschulen untereinander absprechen, um eine flächendeckende Betreuung auch während der Ferien zu ermöglichen“, betont Schulz. In Dortmund sei das bereits der Fall.
Überdurchschnittlich ist die Qualität der Nachmittagsbetreuung in den Grundschulen des Westfälischen Ruhrgebiets. Bundesweit wird in 74 Prozent der Fälle die Nachmittagsbetreuung durch qualifizierte Kräfte angeboten. Außerdem geben 79 Prozent der Grundschulen an, regelmäßige Hausaufgabenbetreuung und 75 Prozent ein warmes Mittagessen anzubieten. Diese bereits guten Zahlen werden in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna noch übertroffen: Hier sind zu 100 Prozent qualifizierte Kräfte im Einsatz, die zu mehr als 99 Prozent auch die Hausaufgabenbetreuung übernehmen. Als Nachschlag bieten immerhin gut 93 Prozent der Grundschulen ein warmes Mittagessen. Punkten kann die Region besonders im Bereich der Sprachförderung. Während deutschlandweit drei Viertel das weder in Eigenregie noch in Kooperation mit externen Partnern anbieten, ist das bei fast 85 Prozent der Grundschulen im Westfälischen Ruhrgebiet der Fall.
Am „Grundschulcheck 2011“ des DIHK hat sich die IHK zu Dortmund nach enger Absprache mit den jeweiligen Schulaufsichtsbehörden in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna beteiligt. Die Umfrage lief vom 28. Februar bis zum 15. April 2011. Die Initiative wird unterstützt vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz. Mit der Befragung sollen die Betreuungsstrukturen für Grundschulkinder transparent gemacht werden. Daher beziehe sich die Umfrage unter anderem auf Dinge wie den zeitlichen Umfang und die Flexibilität der Nachmittagsbetreuung, etwaige Ausbaupläne der Angebote, die Möglichkeiten der Hausaufgabenbetreuung oder darauf, ob es im Rahmen der Nachmittagsbetreuung Kooperationen mit Unternehmen gibt. Letztlich sei das Ziel eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
1. September 2011