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Illustration

KUNST IN DER IHK

Man muss wissen, wohin

In ihrer aktuellen Ausstellung, die noch bis zum 29. August zu sehen ist, präsentiert die IHK zu Dortmund die Arbeiten zweier Künstlerinnen, die unterschiedliche, sehr persönliche Kunstpositionen vertreten. Die aus Argentinien stammende Künstlerin Mariana González Alberti ist Bildhauerin und Malerin zugleich. Helena Klaus, in der Ukraine geboren, widmet sich dem zweidimensionalen Tafelbild.

„Nicht nur biografisch sondern auch künstlerisch überschreitet Mariana González Alberti Grenzen. An der staatlichen Schule für Schöne Künste Buenos Aires absolvierte sie ein Studium der Malerei und Bildhauerei. Seit Beginn ihres Schaffens ist sie ganz der Figur, insbesondere der Büste, also dem plastisch ausgearbeiteten Porträt eines Menschen, verpflichtet, ohne sich auf die äußerliche Ähnlichkeit zu beschränken. Sie erfasst vielmehr das, was in der individuellen Physiognomie eingeschrieben ist: die Persönlichkeit und den Lebensweg eines Menschen. Die Oberflächen ihrer Büsten wirken durch die ausdrucksstarke Modellierung belebt, verbleiben aber matt und rau. Das verwendete Rohmaterial, Gips, Zement, Marmorpulver, wird gleichsam in Materie transformiert, aus der heraus sich die Persönlichkeit in ihrer Quintessenz wie in einem zeitlosen Abbild synthetisiert.

In den Gemälden und Grafiken ist ein gewisser archaischer Gestus spürbar, klare kantige Linien, die den Dargestellten eine zeitlose Erscheinung verleihen, und von der Verwendung eines harten Stockes anstelle eines weichen Pinsels herrühren. Mit Leichtigkeit und Humor reflektiert die Künstlerin die „Schwierigkeiten“, die ihre künstlerische Vielseitigkeit mitunter mit sich brachte. So riet ihr eine Kunstjury, sie solle sich auf nur eine Gattung festlegen, entweder Malerei oder Bildhauerei. „Man muss wissen, wohin“ lässt die Künstlerin eine Dame mit erhobenem Zeigefinger deshalb anmahnen, und gesellt zu dieser Grafik als persönliche Gegenposition eine ihrer Büsten.

Die Malerin Helena Klaus schloss 2010 ihr Studium der Kunst und Geschichte in Paderborn ab. Auch sie hat sich – allerdings im Medium der Ölmalerei – ganz der menschlichen Figur verschrieben.

Motive einer Kindheit ziehen sich durch die Ausstellung: Porträts von Kindern beim Spiel, mit dem Lieblingstier, in den obligatorischen Gummistiefeln, auf dem Schoß der Mutter, oder neben Vater oder Onkel. In der frontalen Ansicht rücken die zumeist bildfüllend inszenierten Figuren ganz nah an den Betrachter heran. Dennoch haftet den Szenen eine merkwürdige Entrücktheit an. Die Blicke sind schüchtern, mitunter verkniffen, wenn nicht gar abgewendet. Im schutzsuchenden Umfangen eines geliebten Tieres oder der Nähe zur Mutter kommt eine Sehnsucht nach Halt und Verständnis zum Ausdruck, die in den Horizontalen und Vertikalen der Bildstruktur nachklingt.

Dennoch bleiben die Bildfiguren in den hermetischen Bildräumen isoliert, allenfalls ein verhaltenes Lächeln dringt zu dem Betrachter durch. Aus dem Porträt eines Mädchens, das durch ein geschlossenes Fenster schüchtern in ein Zimmer hineinschaut, spricht die besondere Magie der Kindheit mit ihren Geheimnissen und dem Mysterium des Momenthaften, das ewige Bedeutsamkeit erhält.

Helena Klaus zeigt nur auf den ersten Blick alltägliche Szenen einer jeden Kindheit. Es handelt sich vielmehr um persönliche Kindheitserinnerungen aus ihrer alten Heimat, der Ukraine. Als ob sie dem Verlust entgegenwirken wolle, wandelt sie die heraufbeschworen Bilder, die verblassten Erinnerungen um in eindringlich realistische Darstellungen. Durch die Verwendung abgetönter Farben erhalten die Gemälde ihre spezifische Bildrealität, eine Mischung aus nostalgischer Entrücktheit und realistischer Präsenz.“ 

Dr. Sabine Weicherding, Kunsthistorikerin, Dortmund

Die Ausstellung in der IHK kann montags bis donnerstags von 8:00 bis 17:00 Uhr und freitags von 8:00 bis 15:00 Uhr besucht werden.

8. Juni 2011

DOKUMENT-NR. 76506

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