Spannende Zeiten!
Der Sommer dieses Jahres hat es in sich. Die Nachrichtenlage ist
gespickt mit Neuigkeiten, die teilweise überraschend und unerwartet
sind. Zunächst das Positive: In Deutschland stehen die Signale auf
Aufschwung. Die Ökonomen erwarten ein deutsches Sommermärchen. Mit
dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)
und dem Ifo-Institut haben gleich zwei der führenden Institute ihre
Wachstumsprognose kräftig auf rund zwei Prozent erhöht. Und obwohl
rund um den Globus die Konjunkturprogramme auslaufen, dürften auch
2011 immerhin etwa 1,5 bis 1,75 Prozent Wachstum drin sein.
Aber die Politik machte bisher ihre Hausaufgaben nicht
ordentlich. Daher mahnte DIHK-Präsident Driftmann bei einem Treffen
mit der Bundeskanzlerin Mitte Juni klare Weichenstellungen für mehr
Wachstum und Beschäftigung am Standort Deutschland an. Er ermutigte
die Regierungsparteien, die im Koalitionsvertrag vereinbarten
Reformen auch beherzt anzupacken. Gut so. Dabei wäre es falsch,
wichtige Themen wie den Einstieg in eine Gesundheitsprämie oder
eine stufenweise Steuerreform generell zu tabuisieren oder diese
allein dem Koalitionsfrieden zu opfern.
Mit ihrem Sparpaket, das auch der Wirtschaft einiges abverlangt,
ist die Bundesregierung endlich in Vorlage getreten. Die Politik
geht an Dinge ran, die wir uns in guten Zeiten zugelegt haben. Aber
heute haben wir keine guten Zeiten mehr und deswegen ist es
richtig, auch den sozialen Bereich zu durchforsten. Einen Haushalt,
bei dem Sozialkosten mehr als 50 Prozent ausmachen, können wir uns
auf Dauer nicht leisten. Es darf aber auch keine Tabus beim
Subventionsabbau geben. Experten sagen, dass es in Deutschland
zwischen 40 und 100 Milliarden Euro jährliche Subventionsleistungen
gibt. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn hier nicht
sinnvolles Einsparungspotenzial vorhanden wäre.
Der 9. Mai hat uns in NRW das beschert, was viele befürchtet
haben: Das Land verfügt nicht über eine fundierte Mehrheit zur
Regierungsbildung. Nun versuchen es SPD und Grüne mit einer
Minderheitsregierung. Sie sind dabei mehr oder weniger auf die
Duldung der Links-Partei angewiesen. Und welchen realitätsfernen
Utopien die hinterherlaufen, hat uns der Wahlkampf gezeigt. Mit
Wirtschaftsnähe und Realitätssinn hat das nichts zu tun. Frau Kraft
ist nicht zu beneiden, aber auch nicht zu bedauern – sie wollte es
ja so.
Mit einem Paukenschlag beendete Horst Köhler Ende Mai seine
Bundespräsidentschaft. Er war der Kritik überdrüssig, die seine
Worte zu Afghanistan ausgelöst hatten. Zunächst verdutzt
präsentierten die Lager ihre Kandidaten. Schnell wurde die
letztendlich erfolgreiche Wahl von Christian Wulff mit dem
Fortbestand der Koalition verbunden. Ob diese jetzt nach der Wahl
in ruhigeres Fahrwasser kommt, bleibt allerdings abzuwarten.
Ein weiteres Sommermärchen – ähnlich dem Jahr 2006 – bescherte
uns die Fußballnationalmannschaft. Sie hat durch ihre frische und
unbekümmerte Art und Weise Fußball zu spielen weltweit Sympathien
eingeworben. In Deutschland rückte das Volk wieder näher zusammen.
Diesen Zusammenhalt und Schwung müssen wir nutzen, um drängende
Probleme in unserem Land zu lösen. Verglichen mit anderen
Volkswirtschaften stehen wir gar nicht so schlecht da.
Ihre
Udo Dolezych, IHK-Präsident
Reinhard Schulz, IHK-Hauptgeschäftsführer