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PRESSE

Editorial

Lohnt sich Leistung?

Die deutsche Wirtschaft läuft momentan nicht rund. Der Export bricht um 20 Prozent ein, mehr als eine Million Arbeitnehmer sind in Kurzarbeit. Gestandene Unternehmen sind sich nicht zu schade, wegen eigener Fehlentscheidungen den Staat um Hilfen zu bitten. Wie diese Nachrichten die Bevölkerung beeinflussen ist nicht ganz klar. Urlaubsorte und Innenstädte sind noch gut besucht, der PKW- und LKW-Verkehr ist weiterhin stark. Deutschland scheint aber unzufrieden zu sein und unsicher; denn man liest immer häufiger: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.

Es scheinen aber nicht die sozialen Unterschiede den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu bedrohen, sondern deren wahrscheinlich unverhältnismäßige Darstellung und Wahrnehmung. Das Alltägliche, das „Normale” oder die kleinen „Erfolge” sind nun mal keine Nachrichten. Im medialen Bereich, der ohne Zweifel unter einem enormen Erfolgsdruck steht, wird oftmals nur mit außergewöhnlichen Beispielen gepunktet. Schwarze Wirtschaftsschafe, Manager, die für schlechte Leistungen viel Geld erhalten und weiteres einfordern, zu Unrecht bezogene Sozialleistungen, wenige Menschen, die unverhältnismäßig viel Geld verdienen, geraten zunehmend in das besondere Interesse der Öffentlichkeit.

Aber sind das nicht falsche Vorbilder und eventuell Fälle von Maßlosigkeit? Sie sind jedenfalls nicht der Maßstab für Unternehmen, ihre Manager und Mitarbeiter oder die Soziale Marktwirtschaft. Die vielen Millionen von der Öffentlichkeit eben nicht wahrgenommenen Unternehmen und deren Führungspersonal leisten beharrlich ihren Beitrag für unseren Sozialstaat Bismarckscher Prägung. Mit diesem marktwirtschaftlichen Sozialstaat im Rücken kann jeder eigenverantwortlich seinen Lebensunterhalt verdienen. Und dass sich der Bürger auf die Bürgergemeinschaft verlassen kann belegt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Die Kernaussage: Die Umverteilung von oben nach unten funktioniert und ist statistisch nachweisbar. Die oberen 20 Prozent der Haushalte mit dem höchsten Einkommen tragen zu etwa zwei Drittel dieses Steueraufkommens und zu mehr als 50 Prozent der Sozialversicherung bei. Die unteren 30 Prozent der Einkommens-, Lohnsteuer- und Abgabenzahler erhalten „als Transferleistung” durchschnittlich pro Monat 900,- Euro vom Staat mehr, als sie an Steuern und Abgaben zahlen.

Im Mittelpunkt des Handelns sollte wieder der Leistungsgedanke stehen. Leistungsträger sollten auf keinen Fall durch noch mehr Umverteilung bestraft werden, durch die der „Arme” sowieso nicht reicher wird.

Aber warum entsteht eigentlich der Eindruck, dass sich Leistung nicht lohnt? Weil häufig suggeriert wird, man könne auch ohne Leistung viel erreichen. Stars, Sternchen, die Kopfkappe eines Rennfahrers, Models, Ratespielsieger, die z. B. wissen, wie viele Beine ein Wasserfloh hat, schlechte Manager, scheinen zu beweisen, dass es auch ohne viel Können „unverdientes” Geld gibt. Lohn und Leistung divergieren. Viele Massenmedien fragen nicht, warum jemand nicht so gut verdient und warum es jemandem nicht so gut geht.

Überspitzt gesagt: Der Wohlfahrtsstaat vermittelt den Eindruck, dass man nichts für sein Leben tun muss. Hinzu kommt noch der Neid – nicht der Neid, der unseren Ehrgeiz weckt, sondern der, der dazu führt, dass man sich mit dem vergleicht, mit dem man sich nicht vergleichen sollte oder kann.

Der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht sagt, dass man Neid sowieso nicht wegreformieren kann. Warum sollte man auch, wenn er uns zu mehr Eigenverantwortung und als Leistungsanreiz zu mehr Anstrengungen antreiben kann?

Ihre

Udo Dolozych, Präsident
Reinhard Schulz, Hauptgeschäftsführer

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