Die Wirtschaft handelt: Weiterbildung hoch im
Kurs
Einmal erworbenes Wissen an Schulen und in der beruflichen
Bildung reicht heute zur Erhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit
nicht mehr aus. Eine wesentliche Säule unserer Zukunftsfähigkeit
ist die betriebliche Weiterbildung. Auch in der aktuellen
Wirtschaftsphase haben wir weiterhin einen Mangel an Fachkräften.
Auf dem Markt für Ingenieure z. B. herrscht Vollbeschäftigung, denn
der deutschen Wirtschaft fehlen rund 50.000 Ingenieure und
Techniker. Die demographische Entwicklung wird diesen Trend sogar
noch verstärken. Gerade das unzureichende Qualifikationsniveau
vieler Schulabgänger erfordert stetig mehr Investitionen in Aus-
und Weiterbildung. Prognosen zufolge wird die PISA-Generation sogar
weniger gut ausgebildet sein als die heutige Erwerbsbevölkerung –
eine dramatische Entwicklung.
Die Forderung lautet daher: „Kontinuierliches Lernen das ganze
Leben hindurch”. Auch die von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
eingesetzte Zukunftskommission kommt zu dem Ergebnis, dass das
Modell der Lebenstreppe, in der man in der Jugend lernt, als
Erwachsener arbeitet und sich im Alter ausruht, in modernen
Gesellschaften ausgedient hat. Deshalb brauchen wir neue Denkweisen
und Anstrengungen für die berufliche Weiterbildung. Sie wird immer
stärker daran gemessen, wie sich Inhalte und Ergebnisse direkt im
Arbeitsalltag ein- und umsetzen lassen. Dafür investierten die
Unternehmen im Jahr 2007 rund 27 Milliarden Euro – das entspricht
mehr als der Hälfte des Investitionsvolumens des Konjunkturpaketes
II. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Wirtschaft der
Qualifizierung ihrer Mitarbeiter einen hohen Stellenwert beimisst.
Um immer besser zu werden, bilden heute 84 Prozent der Unternehmen
ihre Mitarbeiter weiter.
Die Wirtschaft kann aber über das hinaus nicht gleichzeitig noch
der Reparaturbetrieb für den Staat sein, um auszubügeln, was
Familie und Schule versäumt haben. Zu begrüßen ist daher, dass
jetzt endlich Bund und Länder viel mehr in die Bildung investieren
wollen. Hierfür sollen im Rahmen der Qualifizierungsinitiative
„Aufstieg durch Bildung” zusätzlich 500 Millionen Euro investiert
werden. Heute nehmen 43 Prozent der 19- bis 64-Jährigen an einer
Weiterbildung teil, im Jahr 2015 sollen es 50 Prozent sein. Es
stellt sich trotzdem dieFrage, ob diese Summe im Hinblick auf die
Milliarden-Investitionen der Unternehmen überhaupt ausreicht.
Um eine passgenaue Weiterbildung und Personalentwicklung für die
Wirtschaft sicherzustellen, sollte eine vielseitige
Weiterbildungslandschaft möglichst frei von staatlicher
Reglementierung sein. Da sich die Unternehmen zunehmend auf den
Weltmärkten bewegen, müssen Weiterbildungsträger für die Betriebe
entsprechende Angebote unterbreiten. Dazu muss die Vergleichbarkeit
von Bildungsabschlüssen europaweit gewährleistet sein.
Bildung ist für das Westfälische Ruhrgebiet ein Standortfaktor
ersten Ranges – zahlreiche Weiterbildungsträger bieten hier ihre
Dienstleistungen an. Für die Industrie- und Handelskammer zu
Dortmund ist berufliche Weiterbildung seit Jahrzehnten eine
strategische Aufgabe zur Verbesserung der regionalen
Wirtschaftsstruktur. 4.445 Teilnehmer nutzten im Jahr 2008 unsere
Angebote: Ob Industriemeister im gewerblich-technischen oder
Bilanzbuchhalter im kaufmännischen Bereich. Wir gehen auf die
Wünsche der Unternehmen ein und bieten z.B. auch hausinterne
Schulungen an. Für viele Weiterbildungsangebote bestehen
Fördermöglichkeiten, wie durch Bildungsschecks und
Bildungsgutscheine. Unseren Rohstoff „Wissen” müssen wir durch
betriebliche Weiterbildung gezielt weiterentwickeln. Dann bleiben
wir wettbewerbsfähig.
Ihre
Udo Dolezych, IHK-Präsident
Reinhard Schulz, IHK-Hauptgeschäftsführer