Exportorientierung ist ohne Alternative
Die Gesamtleistung der deutschen Wirtschaft ist im
zurückliegenden Jahr um 5 Prozent gesunken. Auch im Bezirk der IHK
zu Dortmund mussten Unternehmen erhebliche Einbußen hinnehmen. Der
Gesamtumsatz der Industrie sank um 24,3 Prozent, der Auslandsumsatz
sogar um 27,3 Prozent. Die Exportquote ist dabei um rund 1,5
Prozent auf nunmehr 34,2 Prozent gesunken. Die Frage ist, wie kann
man das wettmachen und wie lange wird es dauern, das aufzuholen?
China hat Deutschland gerade als Exportweltmeister abgelöst, aber
auch Vizeweltmeister zu sein, ist wichtig. Das Wachstum in Asien
oder besonders in China stärkt aber auch wieder die Nachfrage nach
Produkten aus Deutschland – wie Maschinen oder Autos.
Die deutschen Exporte sind seit 1991 jedes Jahr um sechs Prozent
gestiegen und selbst nach dem krisenbedingten Einbruch hat die
deutsche Industrie 2009 noch 2,5-mal so viele Waren ins Ausland
geliefert wie 1991.
Hoffnungsvoll kann uns stimmen, dass nach Angaben der
Bundesstatistiker die Ausfuhren aller deutschen Unternehmen im
November 2009 um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zulegten.
Das war der dritte Monatsanstieg in Folge. Jetzt hilft die
weltweite Erholung unserem Export wieder schneller auf die Beine
und der deutschen Wirtschaft schneller aus der Krise.
Etwa ein Drittel der Umsatzeinbrüche ist bereits wettgemacht
und die Exporterwartungen der Industrie haben sich weiter
verbessert. Die Unternehmen vertrauen auf die Tragfähigkeit ihrer
Geschäftsmodelle und halten – auch mit Hilfe der Kurzarbeit –
solange wie möglich an ihren Fachkräften fest. Wie bei uns erweisen
sich auch in anderen exportstarken Ländern wie Japan und den
Niederlanden die Arbeitsmärkte als relativ stabil. Die
Arbeitsplatzverluste waren in exportschwachen Volkswirtschaften wie
den USA oder Spanien viel schlimmer. Nicht nur bei uns in
Deutschland scheint das volkswirtschaftliche Wohl also von einer
starken Industrie und einem starken Export abzuhängen. Der Konsum
allein wird in Deutschland nicht das Zugpferd für die
wirtschaftliche Erholung sein können. Wir sind eben eine reife
Volkswirtschaft mit „gesättigtem Konsum” und auch unsere
demographische Perspektive gibt keinen Anlass zur Hoffnung. Unsere
Exportstärke müssen wir also erhalten. Diese hängt von unserer
Wettbewerbsfähigkeit ab und die wiederum von unserer
Innovationsfähigkeit und den Kostenstrukturen der Unternehmen.
Dienstleister oder Hersteller, die weniger „flexibel” sein können
und müssen, weil sie z. B. nur lokale Märkte bedienen, sind bei
unverhältnismäßigen Lohnsteigerungen oder evtl. sogar Mindestlöhnen
vielleicht belastbarer. Aber was soll ein international agierendes
Unternehmen tun?
Die IHK wird unsere Unternehmen auch 2010 wieder bei der
Exportanbahnung und Abwicklung unterstützen. Sei es durch Seminare
zu Exportfragen oder als Wegbegleiter bei der Erschließung neuer
Märkte, wie z. B. mit dem Anfang März stattfindenden ersten
Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum, einem China-Seminar oder
einer Reise nach Aserbaidschan.
Made in Germany genießt im Ausland nach wie vor ein hohes
Ansehen. Mit diesem Pfund müssen wir wuchern. Durch steigenden
Export können wir schneller und besser wieder nach oben kommen.
Wenn wir dann auch noch beachten, dass wir in unserem Branchenmix
neben Dienstleistungen und Handel eben ganz besonders die
Industrieunternehmen benötigen, weil sie es ja auch sind, die im
Export überwiegend tätig werden, haben wir Ziele, für die es sich
einzusetzen lohnt.
Ihre
Udo Dolezych, IHK-Präsident
Reinhard Schulz, IHK-Hauptgeschäftsführer