Neue Chancen in der Außenwirtschaft
Als Exportweltmeister, der fast die Hälfte seiner
Wirtschaftsleistungen ausführt, ist Deutschland auf starke
Auslandsmärkte angewiesen.
Nach Einschätzung der Auslandshandelskammern (AHKs) werden die
deutschen Exporte in diesem Jahr mit einem Minus von rund einem
Prozent unter dem Niveau von 2008 bleiben. Der Bundesverband des
Deutschen Groß- und Außenhandels hält sogar ein Umsatzminus von bis
zu 6 % für möglich. Die Exportwirtschaft bleibt dennoch ein
wichtiges Standbein. Welche aktuellen Chancen die 27 Länder der
Europäischen Union gerade für kleine und mittelständische
Unternehmen bieten, war deshalb Gegenstand einer
EU-Informationsveranstaltung in der IHK.
Wir können erfreulicherweise feststellen: Die Unternehmen haben
die vergangene Boomphase dazu genutzt, ihre Internationalisierung
weiter voranzutreiben und durch stetige Innovation ihre
Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Wichtigste Zielregion der Unternehmen ist auch im IHK-Bezirk die
Europäische Union. Über 60 Prozent des Auslandsgeschäft werden dort
getätigt. Mit großem Abstand folgen die assoziierten Staaten wie
die Schweiz, Türkei und Norwegen. Neben den USA und den asiatischen
Ländern sind Russland, die Ukraine und Staaten Südosteuropas für
zahlreiche Unternehmen bedeutende Handelspartner.
Jetzt müssen die Weichen gestellt werden, um unsere
Exportwirtschaft weiter fit zu machen und neue Chancen zu
ergreifen, um die Unternehmenskonjunktur zu unterstützen.
Damit das wichtige Standbein Exportwirtschaft unterstützt wird,
ist es sinnvoll, den Zinssatz für die staatliche
Exportkreditfinanzierung deutlich zu senken, gerade für kritische
Staaten und Kunden. Bisher müssen Unternehmen zur Sicherung ihrer
Auslandsgeschäfte bei Kunden mit normaler Bonität einen Zinssatz
zwischen drei und sechs Prozent des Warenwertes zahlen. Eine
deutliche Absenkung unter ein Prozent wäre der richtige Weg, wie es
China aktuell vormacht. Dort kann für eine geringe Prämie von einem
halben bis einem Prozent beinahe jedes Auslandsgeschäft abgesichert
werden. Gleichzeitig müsste das Verfahren einfacher und
unbürokratischer gestaltet werden. Damit könnten die Kosten gesenkt
und in Folge die Motivation der Exportwirtschaft deutlich erhöht
werden. Dies haben wir bei der erwähnten IHK-Veranstaltung auch den
Landesministern Christa Thoben und Andreas Krautscheid sowie bei
einem Treffen mit dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister in
Berlin deutlich gemacht.
In NRW gibt es zusätzlich bei Auslandsdirektinvestitionen die
Förderinstrumente der NRW-Bank. Leider sind diese für viele
Mittelständler z. B. wegen einzuhaltender
Investitionsmindestbeträge nicht nutzbar.
Die IHK wird ihre Unternehmen weiterhin auf die Märkte der Welt
gut vorbereiten. Dafür hat sie ein umfangreiches Maßnahmenbündel
geschnürt. Wir bieten den Unternehmen in intensiven
Beratungsgesprächen beste Informationen über die
unterschiedlichsten Märkte an. So informiert die IHK noch im ersten
Halbjahr über die Länder Tschechien und Italien.
Unternehmerdelegationsreisen nach China, Malaysia, Russland und
Südamerika stehen auf dem Programm. Die indische Botschafterin I.
E. Meera Shankar ist im März in der IHK zu Gast. Wir werden diese
Gelegenheit ebenfalls nutzen, um für die Unternehmen im IHK-Bezirk
zu werben. Der Erfolg im Auslandsgeschäft hängt aber nicht zuletzt
auch von einer optimalen Gestaltung der Auslandsverträge, Liefer-
und Zahlungsbedingungen sowie der Beachtung zahlreicher Zoll und
Außenwirtschaftsbestimmungen ab. Auch hier beraten und begleiten
Experten der IHK die Unternehmen.
Ob wir letzten Endes 2009 wieder als Exportweltmeister auf dem
Siegertreppchen stehen, liegt auch in unseren Händen.
Ihre
Udo Dolezych, IHK-Präsident
Reinhard Schulz, IHK-Hauptgeschäftsführer