Schluss mit den Schulden!
Das Jahr fängt gut an: Die Arbeitsmarktzahlen sind nicht so
schlecht wie befürchtet. Das Instrument der Kurzarbeit hat gut
gewirkt. Der Mittelstand zeigt sich robust in der Wirtschaftskrise.
Laut Institut für Mittelstandsforschung sind 2009 sogar 3,6 Prozent
weniger Firmen in Insolvenz gegangen als im Jahr davor. Und der
ifo-Geschäftsklimaindex bewegt sich erstmals seit Juli 2008 wieder
im positiven Bereich. Das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung, das Institut für Makroökonomie und der DIHK
gehen von rund 2 Prozent Wachstum für 2010 aus.
Allerdings laufen die öffentlichen Haushalte aus dem Ruder.
Die Glaubwürdigkeit der Politik fällt in ein großes Loch. Den
großen Altschulden sollen evtl. noch neue Schulden hinzugefügt
werden. Bei der Schuldenproblematik denken Bund, Länder und
Kommunen allerdings bevorzugt an Einnahmenerhöhungen und kaum an
Ausgabenverminderung. Aber eigentlich kann der, der weniger hat
auch nur weniger ausgeben. Deshalb kann die Devise beispielsweise
für die Kommunen nur heißen: entweder sparen sie weitaus
drastischer als bisher geplant oder sie fallen unter die Auflagen
für Nothaushaltskommunen. Und dann entscheiden Andere wo gespart
wird.
Aus der regionalen Statistik: Mit 1.636,54 Euro stand 2008 jeder
Einwohner Hamms in der Kreide, mit 2.612,93 Euro jeder Einwohner
des Kreises Unna und mit 3.428,07 Euro jeder Dortmunder. Damit
liegt die Stadt Dortmund über dem Schnitt der Kommunen im
Ruhrgebiet mit 3.400 Euro. Zum Vergleich: Zwar liegt die
Pro-Kopf-Verschuldung in Essen mit 4.843,43 Euro noch höher, in
Gelsenkirchen hat jeder Einwohner aber nur 2.642,22 Euro zu
schultern. Die Zahlen für 2009 dürften noch gestiegen sein.
Personal- und Sozialausgaben und sogar Kredite für Zinsen machen in
den Ruhrgebietsstädten rund die Hälfte der gesamten Schulden
aus.
Alle Ausgaben gehören auf den Prüfstand, Tabus darf es (fast)
keine geben. Muss jede Kommune, jeder Vorort, jeder Stadtteil – in
einem Ballungsraum der in Europa Seinesgleichen sucht, wo die
Übergänge von Stadt zu Stadt fast fließend sind – eine eigene
Bücherei, ein Schwimmbad, eine Turnhalle haben? Sind die
Möglichkeiten einer interkommunalen Zusammenarbeit ausgeschöpft?
Ist bei jeder Haushaltsposition die Effektivität der Arbeit schon
einmal ins Visier genommen worden? Um konsequentes Sparen kommt man
nicht herum.
Aber Vorsicht: Von den Staatsausgaben werden 45 Prozent für
Soziales und lediglich 9 Prozent für Bildung fällig. Wer nichts für
Bildung ausgibt, der braucht einen dicken Sozialhaushalt, damit er
die Menschen später an den Tropf hängen kann! Uns ist bewusst, dass
die Kommunen dazu verdonnert sind, Aufgaben wahrzunehmen, ohne die
zusätzlichen finanziellen Mittel zu bekommen. Uns wundert, dass die
Kommunen nicht vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Aber
trotzdem kann der Einnahmentopf für Bund, Länder und Kommunen nicht
weiter vergrößert werden. Selbst in der Krise haben wir noch
außergewöhnlich hohe Steuereinnahmen (2009 hatten wir bundesweit
die dritthöchsten Steuereinnahmen der Geschichte!) und die Schulden
haben auch in guten Zeiten immer zugenommen.
Wir sind nach wie vor ein Hochsteuerland in Europa, insbesondere
bei Einbeziehung der Abgabenbelastung. Die Belastung aus
Einkommensteuer nebst Solidaritätszuschlag und
Sozialversicherungsbeiträgen beträgt in der Spitze für den
Arbeitnehmer ca. 60 Prozent des Bruttogehaltes. Bei Einbeziehung
der Arbeitgeberbeiträge erhält der Arbeitnehmer hier sogar nur 30
Prozent des gesamten Arbeitgeberaufwandes.
Die Einkommensteuerverteilung zeigt, dass nur Wenige einen
großen Teil dieser Last tragen. Deshalb sind dort gezielte
Steuersenkungen keinesfalls falsch, um die Unsinnigkeiten oder
Ungerechtigkeiten abzumildern. Problematisch bleibt: die
Staatsquote ist zu hoch, der Staat hat seine Kosten nicht im Griff
und denkt nicht konsequent über Sparlisten nach. Besser ist es,
wenn zuerst die Wirtschaft wächst und dann der Staat.
Ihre
Udo Dolezych, IHK-Präsident
Reinhard Schulz, IHK-Hauptgeschäftsführer