Der Krümmungsgrad der Bananen, Vorschriften über Sonnenschutz
oder die bekannten Milchseen. Jeder kann etwas über die Europäische
Union sagen. Meistens ist es nicht das Positivste. Die Meldungen
über die Europäische Union haben sich zu einem Bild zusammengefügt,
das ein unbewegliches Monstrum beschreibt. Was davon trifft zu? Wie
viele Vorurteile haben sich in unsere Vorstellung zu einer Wahrheit
verfestigt?
Hier finden Sie eine kleine Auswahl von Richtigstellungen zu
Mythen und Vorurteilen. Sie sollen das Bild der EU wieder ein wenig
korrigieren.
In Brüssel arbeitet ein aufgeblähter, hochbezahlter
Beamtenapparat
Für die europäische Kommission arbeiten etwa 20.000 Beamte - das
sind weniger als in einer durchschnittlichen mittelgroßen deutschen
Stadt.
EU-Mitarbeiter sind hochqualifiziert und werden entsprechend
bezahlt, denn von den EU-Beamten wird viel verlangt: perfekte
Kenntnisse von mindestens zwei Amtssprachen, häufige Ortswechsel
und Belastungen für die Familien durch lange Auslandsaufenthalte.
Was häufig vergessen wird: Deutsche Beamte und Angestellte, die in
Brüssel für die deutsche Botschaft oder die Vertretungen der Länder
arbeiten, verdienen vergleichsweise mehr als ihre EU-Kollegen in
Brüssel. Die EU-Beamten zahlen wie alle anderen Unionsbürger auch
Steuern: Ihre Einkommenssteuer fließt in den Unionshaushalt.
Ein Großteil des EU-Haushalts wird für Personal- und
Verwaltungskosten verschwendet
Die Belastung des EU-Haushalts wird ebenfalls überschätzt: Nur
fünf Prozent der gesamten Mittel werden für Personal und Verwaltung
ausgegeben. Damit werden allerdings nicht nur die Beamten der
Kommission sondern auch das Generalsekretariat des Ministerrats,
das Europäische Parlament, der Rechnungshof, der Ausschuss der
Regionen sowie der Wirtschafts- und Sozialausschuss finanziert. In
anderen Verwaltungen liegt der Anteil mit etwa 15% wesentlich
höher.
Der Haushalt der EU ist ein riesiges Fass ohne Boden, in
dem Korruption und Vetternwirtschaft gedeihen
Der Haushalt der EU ist viel kleiner, als die meisten glauben.
2005 lag er bei knapp 105 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der
bundesdeutsche Haushalt ist mit über 250 Milliarden Euro um ein
Vielfaches größer.
Auf die Haushaltshöhe der EU einigen sich die nationalen
Finanzminister, sie wird nicht etwa von der Europäischen Kommission
festgesetzt. Das eingezahlte Geld fließt zudem zum Großteil zurück
in die Mitgliedsländer: in Struktur- und Regionalförderungen, in
Ausbildungsmaßnahmen für Jugendliche, in Umweltschutzprojekte und
in den Ausbau von Verkehrswegen. Der Kommission wird häufig
vorgeworfen, dass sie die Gelder nicht richtig verwaltet, in
falsche Kanäle leitet und Vetternwirtschaft betreibt. Diese
Probleme gibt es in Gemeinden, Städten, Ländern und
Bundeseinrichtungen ebenfalls. Die Kommission hat ihr Engagement
zur Betrugsbekämpfung in den vergangenen Jahren aber immer weiter
verstärkt.
Brüssel reißt immer mehr Macht an sich und ist ein
unkontrollierbarer Moloch
Die Aufgabenverteilung in der Europäischen Union ist im Vertrag
von Maastricht festgeschrieben. Ein Schlüsselbegriff ist das
Grundprinzip der Subsidiarität. Das heißt, jede Aufgabe, deren
Lösung durch das Handeln auf nationaler oder sogar regionaler Ebene
sinnvoller erscheint als auf EU-Ebene wird auch auf dieser Stufe
entschieden. Oft übertragen übrigens die Mitgliedsstaaten selbst
der Kommission bestimmte Aufgaben.
Brüssel macht alles gleich: die Größe von Äpfeln und
Kondomen oder den Krümmungsgrad von Bananen und Gurken
Viele dieser Regelungen haben mit Handelsklassen,
Sicherheitsstandards und Industrienormen zu tun. Dies sind selten
Sonderregeln, die es nicht auch auf nationaler Ebene gibt. In den
15 Mitgliedsstaaten des Europäischen Binnenmarkts gibt es aber
nicht selten für ein und dasselbe Produkt 15 verschiedene
Regelungen. Handel und Industrie verlangen oft nach einheitlichen
europäischen Normen und Regeln, denn nur so kann ein Unternehmer
uneingeschränkt Handel in Europa treiben. Auch die Festlegung des
Krümmungsgrades einer Salatgurke ist nicht der Brüsseler
Regelungswut entsprungen, sondern geht auf den Wunsch des Handels
zurück: So passen mehr Gurken in eine Standardkiste, und es kann
zudem schneller kontrolliert werden, wie viele Gurken in der Kiste
stecken.
Das Europäische Parlament ist nur eine Quasselbude. Die
Abgeordneten haben nichts zu sagen; die Verfahren sind
undurchsichtig.
Der Amsterdamer Vertrag von 1997 und der Vertrag von Nizza aus
dem Jahr 2001 haben die Rechte des Parlaments erneut erweitert. Die
732 Abgeordneten können unter anderem beim Haushalt, in sozialen
Fragen, bei der Beschäftigung, Verkehr und Binnenmarktfragen mit
entscheiden. Bei der Verteilung der Mittel aus den Strukturfonds
und der EU-Erweiterung haben sie ein Vetorecht. Das EP leidet noch
unter dem Wirrwarr der Entscheidungsverfahren. Immerhin: Der
Amsterdamer-Vertrag reduzierte die Zahl der Verfahren von 22 auf
drei.
Brüssel will die Biersteuer erhöhen
Die EU-Kommission würde gerne die Steuern auf Bier europaweit
angleichen, um den Alkoholschmuggel aus Ländern mit niedriger
Besteuerung in Hochpreisländer weniger lohnenswert zu machen.
Bisher sah die Richtlinie 92/83EWG des Rates vom 19.Oktober 1992
zur Harmonisierung der Struktur der Verbrauchsteuern auf Alkohol
und alkoholische Getränke vor. Die Richtlinie 92/84EWG des Rates
sah zur Annäherung der Verbrauchsteuersätze auf Alkohol und
alkoholische Getränke vor. Neu angedacht wurde in der Kommission,
bis 2007 einen Mindeststeuersatz pro Hektoliter Bier einzuführen.
Doch einen konkreten Gesetzesentwurf hierzu gibt es noch nicht.
Quelle: www.eu-kommission.de und eigene Angaben.