IHK-Prüferkongress: Fachkräftesicherung durch Ehrenamt
Über 500 ehrenamtlich tätige Prüferinnen und Prüfer der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Ruhrgebiet trafen sich Mitte November zu einem Prüferkongress in Essen, der von den vier IHKs Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen erstmals durchgeführt wurde.
Mit dieser Veranstaltung wollen die IHKs den ehrenamtlich Tätigen Gelegenheit zum Austausch und zur Weiterbildung geben, um auch in Zukunft qualitativ hochwertige IHK-Prüfungen durchführen zu können. Daher standen Themen wie zentrale Aufgabenerstellung, zukünftiges Prüfen am PC, Komplexität und Aussagekraft einer Prüfung, der menschliche Faktor innerhalb einer Prüfung sowie Rechtsfragen rund um das Prüfungsgeschäft im Vordergrund. Den fachlichen Einstieg übernahm Professor Reinhold Weiß, Ständiger Vertreter des Präsidenten und Forschungsdirektor des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) aus Bonn. In seinen Ausführungen zu den Perspektiven beruflicher Prüfungen gab eine Vielzahl von Denkanstößen für die Arbeit der Prüferinnen und Prüfer vor Ort in den IHKs.
Bei den vier IHKs sind über 6.000 Prüferinnen und Prüfer tätig, die jährlich mehr als 40.000 Prüfungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung durchführen. Alle Prüfer der IHKs übernehmen diese Aufgaben ehrenamtlich, d.h. sie erhalten dafür keine Bezahlung, lediglich eine geringfügige Aufwandsentschädigung. Davon ausgehend, dass jeder Prüfer mindestens vier Tage im Jahr im Einsatz ist, ergibt sich eine Gesamtarbeitszeit, die mindestens der von 95 Vollzeitbeschäftigten Personen entspricht. „Würden diese Prüfer nicht ehrenamtlich arbeiten, sondern ihrer Qualifikation angemessen bezahlt werden, wäre unser Berufsbildungssystem nicht mehr leistbar“, betonte Dirk Grünewald, Präsident der IHK zu Essen.
Von den Prüferinnen und Prüfern werde nicht nur eine hohe fachliche Kompetenz gefordert, sondern insbesondere auch kommunikative Fähigkeiten, um Prüfungskandidaten Ängste zu nehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, optimale Leistungen zu erbringen. Die 6.000 Prüfer innerhalb der vier IHKs im Ruhrgebiet und die mehr als 160.000 Prüfer in allen 80 deutschen IHKs seien auch Garant für den Wohlstand der Gesellschaft. „Ihr Prüfungsergebnis gibt den Unternehmen eine verlässliche Aussage darüber, was ein Kandidat kann – von Flensburg bis Passau. Der hohe Wert unserer Fachkräfte bzw. Facharbeiter, der international anerkannt und vielfach beneidet ist, basiert ganz wesentlich auf unserer betrieblichen Berufsausbildung und der damit verbundenen betriebsunabhängigen Prüfung“, so Grünewald weiter.